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Christian Kummer SJ

Koreanisches Klonen und deutsche Biopolitik



Wenn Mikrophotos menschlicher Embryonen auf den Titelseiten der Tageszeitungen zu finden sind, dann läßt das eine biopolitische Sensation erwarten. Nicht so am 13. Februar 2004. Der gelungenen Frühstücksüberraschung folgte nach Tisch die schnelle Ernüchterung: Koreanischen Forschern sei es erstmals gelungen, menschliche Embryonen zu klonen - wurde das denn nicht schon längst getan? Nicht erst seit Severino Antinori, Panos Zavos und der Raelianer-Sekte, sondern von dem Tag an, als uns im Jahr 1998 Ian Wilmuths Klonschaf Dolly präsentiert wurde? Seither war doch die Rede vom identisch kopierbaren Menschen in aller Munde - als Horrorvision von der uniformen Arbeiter- und Soldatenkaste, von Großvaters Zwilling aus der Retorte, vom gedoubelten Ersatzteil-Torso in den Kühlkellern der Transplantationsbanken.


Und jetzt, sechs Jahre später, soll die Sensation in nicht mehr bestehen, als daß man 176 kerntransplantierte menschliche Eizellen eine Zeit lang am Leben erhalten konnte und aus einer der daraus gewonnenen 30 Blastozysten eine Stammzellinie erzeugt hat? Es geht hier nicht darum, den Autoren der "Science Express"-Publikation vom 12. Februar 2004 den Erfolg madig zu machen. Aber eines muß klargestellt werden: Es handelt sich hier um einen biotechnischen Erfolg, nicht um einen biopolitischen; um etwas, das auf Seite eins einer Fachzeitschrift gehört, aber bestenfalls eine kleine Notiz im Wissenschaftsteil der Tageszeitungen verdient.


Nichts Neues also an der Klonfront? O doch! Freilich nicht für die, die von jeher wußten, daß Klonversuche ein Werk des Teufels sind und therapeutisches Klonen (die Erzeugung körperidentischer Stammzellen) unbeirrt in einen Topf mit dem reproduktiven (dem Klonen eines ganzen Menschen) werfen. Wohl aber für diejenigen, die nachvollziehen können, welche Befriedigung es Forschern bereitet, im Kampf mit den experimentellen Widrigkeiten einmal mehr der Natur ein kleines Geheimnis abgetrotzt zu haben.


Wichtiger als das, was herausgekommen ist, ist hier allemal, wie es herausbekommen wurde. Hier haben die koreanischen Forscher einiges geleistet. Ermöglicht durch die große Zahl freiwillig zur Verfügung gestellter Eizellen (242 von 16 Spenderinnen), konnten planmäßige Versuchsreihen angelegt werden, um die Besonderheiten zu ermitteln, welche die bei Mäusen bereits erfolgreich durchgeführte Gewinnung geklonter Stammzellen auch beim Menschen praktikabel macht. Daß dabei "nur" eine einzige Stammzellinie übrigblieb, ist kein Grund zur Häme, wenn man bedenkt, daß die geringe Erfolgsrate bewußt in Kauf genommen wurde, um das Verfahren unter möglichst variierten Bedingungen auszutesten. Was dabei herausgekommen ist, ist ein solides, jedermann zugängliches

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