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Johannes Wallacher

Abschied vom Homo Oeconomicus?

Über die Rationalität unseres wirtschaftlichen Handelns

Die moderne Ökonomie geht in ihrer Theoriebildung üblicherweise vom vollständig rational und eigennützig handelnden Menschen aus. Diese Figur des Homo Oeconomicus wurde zunächst für die Analyse von Marktprozessen entwickelt und dann nach und nach auch auf weitere zwischenmenschliche Interaktionen jenseits von "klassischen" Märkten angewendet. Beispiele dafür sind etwa die ökonomische Theorie der Demokratie, des Rechts, aber auch der Familie oder des Selbstmords. Nicht zuletzt aufgrund dieser Ausweitung des Anwendungsbereichs, die von ihren Protagonisten1 selbst als "ökonomischer Imperialismus" bezeichnet wird, wird der Homo Oeconomicus auch in der breiten Öffentlichkeit kontrovers und zumeist auch emotional diskutiert. Spätestens seit die Teilnehmer der Anti-Globalisierungs-Demonstrationen in Seattle und Genua mit dem Slogan "Nieder mit dem Homo Oeconomicus" aufgetreten sind, ist er auch in das Zentrum der öffentlichen Globalisierungsdebatte gerückt. Dabei wird dieses Modell häufig gleichgesetzt mit einem Bild vom Menschen, das primär von Egoismus und Streben nach maximalem Gewinn geleitet wird.


Die Mehrzahl der Ökonomen hält dem meist entgegen, daß der Homo Oeconomicus kein Menschenbild im üblichen Sinn ist, sondern ein Modell zur Erklärung menschlichen Verhaltens zum Zweck ökonomischer Theoriebildung, welche die Basis für Politikempfehlungen bildet. Ungeachtet der Frage, ob der Homo Oeconomicus nur ein theoretisches Konstrukt zur Klärung bestimmter Sachverhalte ist oder ob damit nicht doch auch, zumindest implizit, ein gewisses Bild vom Menschen gezeichnet wird, ist nun in den letzten Jahren interessanterweise in den Wirtschaftswissenschaften selbst eine intensive Debatte über den Erkenntniswert und die Realitätsnähe dieser Figur entbrannt.


Bevor diese grundsätzlichen und empirischen Anfragen an das Modell des Homo Oeconomicus und einige mögliche Konsequenzen für die Wirtschaftswissenschaften, die Wirtschaftspolitik und Wirtschaftsethik erörtert werden, soll zunächst das Homo-Oeconomicus-Modell in seinen grundlegenden Annahmen skizziert werden.

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Andreas R. Batlogg SJ


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