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Johannes Wallacher

Abschied vom Homo Oeconomicus?

Über die Rationalität unseres wirtschaftlichen Handelns

kungen auf die Frage der politischen Ausgestaltung von Steuerreformen, legen sie doch nahe, daß die Steuermoral gefördert werden kann durch ein Steuersystem mit Bemessungsgrundlagen und Steuertarifen, die von der Mehrzahl der Betroffenen als "fair" angesehen werden.


3. Intrinsische Motivation. Das traditionelle ökonomische Verhaltensmodell geht davon aus, daß Akteure systematisch und in vorhersehbarer Weise auf Änderungen der Restriktionen reagieren, die ausschließlich durch externe Anreize wie monetäre Zahlungen oder Vorschriften hervorgerufen werden. Es gibt jedoch empirische Belege dafür, daß Menschen auch in ökonomischen Zusammenhängen bestimmte Handlungen um ihrer selbst willen, d.h. aus einer intrinsischen Motivation heraus, ausführen. Intrinsische Motivation ist jedoch nicht einfach ein zusätzlicher Faktor, sondern wirkt je nach Konstellation in unterschiedlicher Weise mit externen Anreizen zusammen, was Bruno S. Frey an zahlreichen Untersuchungen zur Arbeitsmotivation belegt13. Unter bestimmten Voraussetzungen verstärken externe Anreize die intrinsische Arbeitsmotivation und Leistungsbereitschaft (Verstärkungseffekt), wenn etwa die Vergabe von Leistungsprämien in einer Abteilung oder Firma von allen als transparent und fair angesehen wird. Zusätzliche Geldzahlungen oder Arbeitsvorschriften können jedoch auch intrinsische Motivation und damit auch die Leistungsbereitschaft vermindern. Dies wird von Sozialpsychologen auf die "verborgenen Kosten der Belohnung" zurückgeführt. Sie erklären dies damit, daß zusätzliche Geldzahlungen oder Arbeitsvorschriften die individuelle Selbstbestimmung und Selbsteinschätzung einschränken können, so daß aus einer weitgehend selbstbestimmten eine fremdbestimmte Arbeit wird.


Dieser sogenannte Verdrängungseffekt ist nicht nur in der Personalführung von Bedeutung, sondern auch gesellschaftspolitisch relevant. So gibt es empirische Belege dafür, daß die Bezahlung von bestimmten ehrenamtlichen Tätigkeiten die Bereitschaft zu freiwilligen Leistungen untergraben kann. Ähnlich ungünstig kann sich die Einführung von Vorschriften im Bereich freiwilliger und karitativer Arbeit auswirken.


Zusätzlich zu diesem direkten Verdrängungseffekt gibt es auch einen Übertragungseffekt, wenn die Verdrängung intrinsischer Motivation durch externe Anreize auch Auswirkungen auf angrenzende Bereiche hat. Dies läßt sich etwa bei der Ansiedelung von Einrichtungen wie Gefängnissen, Anlaufstellen für Asylbewerber oder Lagerstätten für Problemmüll beobachten, die gesamtgesellschaftlich notwendig sind, aber aufgrund der damit verbundenen Probleme vor Ort in der Regel auf wenig Gegenliebe stoßen. Eine ausschließlich anreizorientierte Lösung dieser Standortprobleme birgt nicht geringe Risiken, die häufig übersehen werden. Wenn die Gemeinden durch Verordnungen gegen ihren Willen zur Aufnahme solcher Einrichtungen gezwungen werden, könnte sich dies negativ auf die Motivation der Bürger auswirken, zukünftig auch einen freiwilligen Beitrag in anderen Zusammenhängen zu leisten. Eine monetäre Kompensation erhöht dagegen die Gefahr,

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