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Michael Rosenberger / Werner Wolbert / Sigrid Müller / Walter Schaupp

Ethikkodex professioneller Seelsorger



Bei einem Treffen der österreichischen Moraltheologen und Moraltheologinnen kam die Frage auf, was den jungen Menschen als Berufsethos für seelsorgliche Berufe mitgegeben werden könne. Diese Frage löste eine intensive Diskussion aus. Es gibt Kodizes und Leitlinien seelsorglichen Handelns in Hülle und Fülle, doch richten sie ihren Fokus bisher allesamt auf die fachliche ("handwerkliche") Qualität und nicht auf das Ethos. Ebenso gibt es Ethikkodizes für alle möglichen Berufsgruppen. Einzig die professionellen Seelsorgerinnen und Seelsorger besitzen keinen Ethikkodex im umfassenden Sinn. Deshalb haben wir uns an den Versuch gewagt, analog zu den Ethikkodizes anderer Berufsgruppen einen solchen Kodex für professionelle Seelsorgerinnen und Seelsorger zu entwerfen.


Diesen Kodex legen wir nachfolgend allen Personen in der professionellen Seelsorge vor. Wir möchten sie damit zur kollegialen Diskussion über ihr vorhandenes Berufsethos anregen. Ebenso ist es uns ein Anliegen, die moraltheologische Auseinandersetzung mit dem Thema einer pastoralen Berufsethik anzustoßen. Es sollte die Zeit kommen, in der sich alle professionell in der Seelsorge Tätigen im Rahmen der Ausbildung mit diesem Thema auseinandersetzen müssen.


I. Präambel


Als Gottes Ebenbild im Lebenshaus der Schöpfung ist der Mensch gerufen, diese Welt als treuhänderischer Verwalter Gottes zu gestalten, sie zu bebauen und zu behüten und dafür zu sorgen, daß alle Geschöpfe in Frieden und Gerechtigkeit das Leben miteinander teilen (Gen 1-2). Diese Berufung trifft den Menschen insbesondere in der Verwirklichung und Ausübung des Berufs, den er ergriffen hat. Hier ist sein erster und vornehmster, wenn auch nicht einziger Platz, Welt zu gestalten.


Jedoch ist der Mensch ein schwaches, irrendes und verführbares Wesen. Für die rechte Verwirklichung seiner Berufung braucht er daher ethische Orientierung und gemeinschaftliche Unterstützung. Nur im gemeinsamen Mühen und im wechselseitigen kritischen Begleiten können Menschen dem Ziel ihrer Berufung dauerhaft näherkommen. Das gilt insbesondere im Blick auf die Gemeinschaft der Kolleginnen und Kollegen des gleichen Berufsstands. Deshalb haben viele Stände im Lauf der Geschichte berufsethische Normen oder Kodizes entwickelt, auf die sie sich

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Andreas R. Batlogg SJ


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