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Jörg Alt SJ

Leben ohne Papiere.

Globalisierung - illegale Migration - Armutsbekämpfung

für einen Hausbau oder eine Geschäftseröffnung zu verdienen), um so eher sind sie zur Rückkehr bereit. Mittelfristig muß dafür gesorgt werden, daß in den Herkunftsländern die Rahmenbedingungen für Investitionen in produktive Gewerbe verbessert werden, so daß Rücküberweisungen in den Herkunftsländern Jobs schaffen können. Langfristig müssen die Industriestaaten aber auch ihre eigene Handels- und Subventionspolitik bedenken: Es reicht nicht, Industrien in armen Ländern zu schaffen, wenn man für deren Produkte zur gleichen Zeit durch Aufrechterhaltung von Subvention und Protektion keine fairen Handels- und Vertriebsmöglichkeiten eröffnet.


Illegale Migration und Wirtschaftskrise


Die aktuelle Weltwirtschaftskrise stellt aufgrund ihres Ausmaßes besondere Herausforderungen an jegliche Prognosen. Naheliegend ist etwa die Annahme, daß legale und "illegale" Migranten, wenn sie in ihren Migrationszielländern arbeitslos werden, nach Hause zurückkehren und dort, wo die Lebenshaltungskosten niedriger sind, die Krise aussitzen. Daß dies im Fall bestimmter legaler Migrantengruppen so sein könnte, scheinen erste Auswertungen in den USA nahezulegen(22). "Illegale" Migranten jedoch, selbst wenn sie aus geographisch nicht allzuweit entfernten Ländern stammen, sind eher gezwungen, in ihrem Migrationszielland auszuharren: So sind beispielsweise die eingegangene Verschuldung für ihr Migrationsprojekt und das Fehlen von Jobs im Herkunftsland für viele ebenso Hindernisse für die Rückkehr wie steigende Kosten für eine "illegale" Wiedereinreise.


In Krisenzeiten haben aber gerade "Illegale" auch Vorteile auf dem Arbeitsmarkt: Anders als Einheimische oder legale Migranten bindet sie wenig an einen Ort oder an eine bestimmte Beschäftigungssparte. Sie sind flexibel und mobil. Dazu kommt, daß auch und gerade in Krisenzeiten eine Nachfrage nach "illegalen" Billigarbeitern besteht - sowohl im privaten als auch im gewerblichen Bereich. Berichte aus der Bauindustrie legen nahe, daß in Zeiten der Krise eher teure legale Arbeiter von Arbeitgebern entlassen werden als geschickte billige und "illegale" Arbeitskräfte. So können die Angebote für potentielle Auftraggeber attraktiv gehalten werden, und Firmen haben dadurch die Chance, eher "im Geschäft" bleiben zu können(23).


Was die Rücküberweisungen betrifft, ist eine deutliche Verschlechterung festzustellen: Die Weltbank sagte für 2009 ein Absinken des weltweiten Remissenflusses um fünf bis acht Prozent auf circa 290 Milliarden US-Dollar voraus - erste konkrete Zahlen aus Ländern Asiens, Afrikas und Mittelamerikas legen aber Einbrüche von bis zu 20 Prozent nahe. Derart deutliche Einbrüche wären ein Novum, da sich gerade Rücküberweisungen in früheren Krisen, im Vergleich mit Krediten und ausländischen Direktinvestitionen, als eher stabiler und verläßlicher Geldfluß für die armen Länder erwiesen haben(24).


10. Todestag
am 17. August 2010:


Roman Bleistein SJ
(1928-2000)


von

Andreas R.
Batlogg SJ,

Chefredakteur, München


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