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Jörg Alt SJ
Leben ohne Papiere.
Globalisierung - illegale Migration - Armutsbekämpfung
Vor allem in Regionen, wo Arbeitslosen- und Sozialversicherungen kaum existieren, ist Migration dorthin, wo man Jobs vermutet, oft die einzige Alternative zu einem Leben in Armut und Perspektivlosigkeit. Haben aber Menschen Grund zur Annahme, anderswo Arbeit zu finden, dann fällt kaum ins Gewicht, wenn eine Migration nur illegal möglich ist. Die Hoffnung auf Besserung ist stärker als die Gewißheit andauernder Armut. Für diese Hoffnung ist man - falls nötig - auch bereit, sich gegenüber "Schleusern" hoch zu verschulden, weil dies als eine Investition in eine finanziell gesichertere Zukunft gesehen wird.
Durch das weltweite Zusammenwachsen werden inzwischen selbst solche Regionen in das illegale Migrationsgeschehen einbezogen, wo Menschen bis vor kurzem noch den Weg in die eigene Provinzhauptstadt als "Weltreise" betrachteten. Dies ist beispielsweise anhand von Migrationsnetzwerken der Q'eqchi Maya zwischen dem Toledo Distrikt in Belize und Los Angeles nachweisbar. Toledo ist eine Gegend, in die bis vor 30 Jahren kaum Straßen führten, wo noch heute weite Teile nicht einmal elektrifiziert sind und viele Menschen noch von Subsistenz- und Tauschwirtschaft leben. Neuere Entwicklungen wie die Möglichkeit, Kinder auf die Highschool zu schicken, ein palmblattgedecktes Holzhaus durch ein Betongebäude zu ersetzen oder ein kleines Geschäft zu gründen, erfordern Bargeld. Wenn nun der Ertrag der kleinbäuerlichen, familiären Landwirtschaft zu gering ist, um diese Kosten durch Verkauf auf dem Wochenmarkt zu decken oder wenn man aus verschiedenen Gründen nicht für einen Bankkredit qualifiziert ist, dann bleibt illegale Migration eine Option für jene, die intelligent, unternehmensfreudig und abenteuerlustig sind.
Globalisierungsprozesse erleichtern illegale Migration
Das Beispiel des Toledo Distrikts zeigt die Bedeutung transnationaler Netzwerke von Verwandten und Bekannten bei illegalen Migrationsprojekten: Wann immer belizeanische Maya erfolgreich emigrieren, liegt es an den Kontakten zu ihren guatemaltekischen Verwandten. Letztere wanderten schon vor Jahrzehnten, etwa aufgrund der Repression durch das guatemaltekische Militär, in die USA aus und leben und arbeiten dort seither legal oder illegal. Der Informationsfluß zwischen diesen Familien ist heute einfacher denn je: Detaillierte Informationen über Migrations-, Beschäftigungs- und Unterkunftsmöglichkeiten können per Handy übermittelt werden, weil die belizeanische Grenzregion zu Guatemala, die weder ein Stromnoch Telefonnetz besitzt, vom guatemaltekischen Handynetz erreicht wird. Über diese Verwandten bzw. in der Region ansässige kommerzielle und kriminelle "Reise agenturen" wird dann die Reise abgewickelt und (in der Regel durch Verschuldung) finanziert.
Sodann gewinnt das Internet an Bedeutung, was man bei Highschool-Absolventen im Toledo Distrikt beobachten kann: Diese jungen Männer und Frauen sind gut
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(1928-2000)
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