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Jörg Alt SJ

Leben ohne Papiere.

Globalisierung - illegale Migration - Armutsbekämpfung

um 305 Milliarden US-Dollar - und dies trotz der sich bereits seit 2007 anbahnenden Wirtschaftskrise(7). Der reale Betrag dürfte noch um einiges höher liegen, da Rücküberweisungen, die außerhalb des formalen Bankensystems transferiert werden (etwa per Kurier oder per Telephon), sich der statistischen Erfassung entziehen; gerade "Illegale" sind, da ihnen mangels gültiger Papiere etwa die Einrichtung eines Bankkontos nicht möglich ist, auf informelle Kanäle angewiesen(8).


Rücküberweisungen von Migranten entsprechen dem Doppelten von dem, was die Staaten der Welt jährlich zusammen an Entwicklungshilfe zur Verfügung stellen. Sie betragen zwei Drittel der ausländischen Direktinvestitionen. In vielen Ländern sind sie die Haupteinnahmequelle an ausländischem Kapital, noch vor Einnahmen durch Tourismus, ausländische Direktinvestitionen, Rohstoffexport oder Handel(9). Gewöhnlich wird eingewendet, daß diese Gelder von den Familien zuhause "nur" für Konsum und Hausbau verwendet werden. Trotzdem schafft dieses Geld vor Ort Arbeitsplätze, etwa weil Frauen, deren Männer "illegale" Migranten sind, örtliche Arbeitskräfte für die Erledigung der Feldarbeit oder den Hausbau anstellen. Darüber hinaus sichern Rücküberweisungen die Ausbildung von Kindern und heben das Gesundheitsniveau, weil Ärzte bezahlt werden können.


Rücküberweisungen legaler und "illegaler" Migranten senken das Armutsniveau im Herkunftsland: Eine Studie, die Daten aus 71 Entwicklungsländern berück - sichtigt, erbrachte den Nachweis, daß "ein zehnprozentiger Anstieg des Migrantenanteils an der Bevölkerung eines Landes zu einem Rückgang zwischen 2,1 bis 3,5 Prozent jenes Bevölkerungsanteils führt, der weniger als einen US-Dollar am Tag zum Leben hat."(10) Rücküberweisungen senken Armut quantitativ, vor allem aber qua litativ: Für Guatemala beispielsweise ergeben Studien, daß 60 Prozent der Einnahmen von Haushalten im untersten Einkommenszehnt aus Rücküberweisungen bestehen. Diese Haushalte gelten immer noch als "arm", sind aber relativ besser gestellt als zuvor:


"Internationale Remissen haben einen größeren Einfluß auf die Reduzierung des Aus - maßes von Armut als auf die Anzahl der Armen. Anders gesagt: Sie sind tatsächlich hilfreich für die Ärmsten der Armen."(11)


Das Potential der Rücküberweisungen für Armutsbekämpfung und Entwicklung könnte optimiert werden, wenn diese Gelder auch in die Entwicklung örtlicher Infrastruktur gelenkt werden könnten. Hier ist Mexiko mit dem sogenannten "Tres por uno"-Programm beispielhaft: In bestimmten Regionen schießen kommunale, bundes- und zentralstaatliche Stellen jedem Dollar, den Migranten oder ihre Angehörigen in öffentliche Projekte (z.B. Straßen, Schulen, Sportplätze) investieren, je einen weiteren Dollar zu. Hinderlich für die Gründung arbeitsplatzschaffender Betriebe ist in vielen Weltgegenden, daß vorhandene Gelder nicht durch Kredite aufgestockt werden können, daß keine Rechtssicherheit für Betriebsgründer existiert, oder daß Absatzmärkte und Vertriebswege für mögliche Erzeugnisse fehlen.


10. Todestag
am 17. August 2010:


Roman Bleistein SJ
(1928-2000)


von

Andreas R.
Batlogg SJ,

Chefredakteur, München


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