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Jörg Alt SJ
Leben ohne Papiere.
Globalisierung - illegale Migration - Armutsbekämpfung
Allerdings: Illegale Migration ist auch auf dem Hintergrund der Armutsbekämpfung nicht nur positiv zu bewerten - vor allem aufgrund der monetär nicht quantifizierbaren sozialen Kosten, die damit einhergehen. Kontakte mit "illegalen" Migranten in Deutschland, den USA und Mittelamerika zeigen, daß die Familien unter der Abwesenheit der Eltern leiden. In Mittelamerika, wo der Mann im Haus das Sagen hat, steigen Spannungen in der Familie, weil es Müttern schwerfällt, Autorität gegenüber ihren Söhnen durchzusetzen; in Osteuropa zerbrechen Familien, weil die Väter während der Abwesenheit ihrer Frauen mit Kindererziehung und Haushaltsführung überfordert sind. Sodann kann im Fall von längerer Abwesenheit das Phänomen der "dependency" beobachtet werden: Angehörige legen im Herkunftsland die Hände in den Schoß, weil sie sich an den im Ausland verdienten Geldsegen gewöhnen. Es geht ihnen so viel besser als dem Bevölkerungsdurchschnitt um sie herum, daß es sich für sie nicht lohnt, sich selbst anzustrengen und mehr aus ihrem Leben machen zu wollen.
Hinzu kommen die physiologischen und psychischen Schäden, die ein illegales Migrationsprojekt bei den Migranten selbst hinterlassen kann: Gerade weil sie auch in Notzeiten ihren Familien Geld überweisen wollen und Schulden abzahlen müssen, arbeiten sie zu viel, schlafen zu wenig und essen ungesund. Es braucht nicht einmal "Streßbewältigungshilfen" wie Drogen, Zigaretten und Alkohol, um sich dabei zu ruinieren. An Krankheit scheitert letztlich oft sogar der Traum von der Heimkehr ins Herkunftsland zum Altwerden: Dort gibt es keine medizinische Versorgungsmöglichkeiten für die vielen Krankheiten, die sie sich im Lauf ihres Migrantendaseins erworben haben.
Grenzabschottung in einer globalisierten Welt?
Im Umgang der Industriestaaten mit dem Phänomen der illegalen Migration in der globalisierten Welt herrscht immer noch der im Nationalstaatsdenken verwurzelte Abschottungsansatz vor, der sich vor allem auf Außengrenzkontrollen konzentriert. Weltweit beachtet wurden zwischen 2004 und 2007 die Initiativen von USPräsident George W. Bush, dem "Illegalenproblem" in den USA (deren Zahl damals auf etwa elf bis zwölf Millionen geschätzt wurde) mit zwei aufeinander bezogenen Initiativen beizukommen: Einer verschärften Grenzsicherung sowie einer Reform der Einwanderungsgesetze. Letztere sollte einen einfacheren Modus für legale Kurzaufenthalte ("Gastarbeiterprogramm") und eine kriteriengeleitete Legalisierungsmöglichkeit für "Illegale" miteinschließen. Diese Reform scheiterte 2007 nach zähem Ringen im Senat, die Grenzsicherungspläne hingegen wurden umgesetzt: Für einen Hightech-Zaun, der ein Drittel der Grenze zwischen den USA und Mexiko abriegeln sollte, wurden im Oktober 2006 1,2 Milliarden US-Dollar veranschlagt. Im Sommer 2008 war der Zaun noch nicht einmal zur Hälfte fertiggestellt,
10. Todestag
am 17. August 2010:
Roman Bleistein SJ
(1928-2000)
(1928-2000)
von
Andreas R.
Batlogg SJ,
Chefredakteur, München
Roman Bleistein SJ
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