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Jörg Alt SJ
Leben ohne Papiere.
Globalisierung - illegale Migration - Armutsbekämpfung
und die Kosten waren von ursprünglich geplanten 4,4 Millionen auf 7,2 Millionen US-Dollar pro Meile gestiegen(12).
Dabei läßt sich durch empirische Beobachtungen des Migrationsgeschehens an den Außengrenzen der Europäischen Union ebenso wie an der Grenze zwischen den USA und Mexiko feststellen, daß Zäune, Sensoren und Mauern illegale Migration nicht verhindern können, sondern sie lediglich umlenken, verzögern - und verteuern(13). Die Folgen der Grenzsicherung sind: "Illegale" nehmen höhere Kredite auf, um sich kenntnisreichere Schleuser oder längere Umwege leisten zu können und geraten so in eine Art Schuldknechtschaft; außerdem nehmen Verletzungen und Todesfälle zu. An der Südgrenze der USA ist zwischen 1998 und 2004 eine Zunahme der Todesfälle - etwa beim Versuch der Wüstendurchquerung - um 29,1 Prozent zu verzeichnen(14).
Entscheidender für die geringe Effizienz der Kontrollbemühungen ist aber, daß der Personen- und Warenverkehr, der sich im Zeitalter der Globalisierung täglich über die Grenzübergänge wälzt, nicht angemessen auf Mißbrauch kontrolliert werden kann. In den USA passieren den größten (und laut "illegalen" Gesprächspartnern für sie populärsten) Grenzübergang Tijuana - San Diego pro Jahr 50 Millionen Menschen. Pro Tag bedeutet dies 45000 Autos mit einem oder zwei Insassen sowie 20000 bis 30000 Fußgänger. Alle müssen zwar eine Form von Identifikation vorweisen; aber zum einen gibt es hier aufgrund der vielen verliehenen oder gekauften "border crossing cards" eine Reihe von Betrugsmöglichkeiten; zum andern bedeutet jede genauere Inspektion vorgezeigter Papiere lange Wartezeiten, gegen die sich wiederum Protest erhebt(15). Daran werden auch neue computerlesbare Karten nichts ändern, denn auch diese müssen eingelesen und ihre Informationen abgeglichen werden. Hinzu kommen Durchschlupfmöglichkeiten mit falschen Papieren bzw. echten Papieren mit falschen Identitäten, durch Korruption von Grenzbeamten und in Lastern und Containern für den Warentransport: Nur ein geringer Prozentsatz der Frachtcontainer kann beim Grenzübertritt kontrolliert werden, und es überrascht nicht, daß all jene "illegalen" Gesprächspartner, die diesen Weg wählten bzw. ihn finanzieren konnten, beim ersten Anlauf erfolgreich waren.
Im Zeitalter der Globalisierung wird der grenzüberschreitende Personen- und Warenverkehr weiter zunehmen. Der ehemalige deutsche Innenminister Otto Schily gab bei der Einführung biometrischer Pässe zu Protokoll: Die neu ge speicherten Daten "ermöglichen die automatisierte Erkennung des Paßinhabers als Ergänzung zur herkömmlichen Kontrolle durch die Augen der Grenzbeamten"(16). Das will heißen: Nur bei "Anfangsverdacht" durch Augenkontrolle erfolgt eine gründliche Kontrolle durch das biometrische Hightech-Erzeugnis! Schilys Pressesprecherin, Gabi Holtrup, meinte seinerzeit:
"Trotz intensivierter grenzübergreifender Kooperation und mehr Geld für Personal und technische Ausrüstung (ist) eine lückenlose Kontrolle unmöglich ... Natürlich wird nicht jedes Auto an einer Schengengrenze kontrolliert, sonst würde der Verkehr zusammenbrechen."(17)
10. Todestag
am 17. August 2010:
Roman Bleistein SJ
(1928-2000)
(1928-2000)
von
Andreas R.
Batlogg SJ,
Chefredakteur, München
Roman Bleistein SJ
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