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Jörg Alt SJ

Leben ohne Papiere.

Globalisierung - illegale Migration - Armutsbekämpfung

sowie Beitragszahlern für ein Weiterfunktionieren von Sozialsystemen und -kassen zu sichern. Für Deutschland bedeutet dies eine "jährliche Einwanderung von 6000 Personen pro einer Million Einwohner, um den Anteil von Personen im arbeits - fähigen Alter an der Bevölkerung zu halten"(20). In einer aktualisierten Fassung von 2006 geht UNDESA davon aus, daß aus demographischen Gründen und Gründen, die den Arbeitsmarkt betreffen, von 2005 bis 2010 jährlich weltweit 2,5 Millionen, 2010 bis 2050 jährlich 2,3 Millionen Migranten zum Ausgleich gebraucht werden(21).


Bei Überlegungen, wie dieser Bedarf durch kontrollierte Zuwanderung befriedigt werden kann, sollte man folgendes bedenken: In der Migrationswissenschaft herrscht weitgehende Einigkeit darüber, daß familiär-verwandtschaftliche, transnationale Netzwerke ein Eckstein im illegalen Migrationsgeschehen sind, weil über diese Netzwerke Informationen und Gelder zwischen Herkunfts- und Zielregion ausgetauscht werden und weil Angehörige im Zielland für Neuankömmlinge stets Erstanlaufstellen für eine Arbeits- und Wohnungssuche sind. Entsprechend sollte man solche existierende Verbindungen bei der Anwerbung neuer Arbeitskräfte berücksichtigen. Dem hätte etwa der Entwurf eines Zuwanderungsgesetzes durch die rot-grüne Bundesregierung Rechnung getragen, in dem ein Punktekatalog im Entwurf des Paragraphen 20 des Aufenthaltsgesetzes neben Alter oder Ausbildung der Bewerber auch vorhandene Familienbande sowie Armut und Menschenrechtsverletzungen im Herkunftsland als Kriterien in die Gesamtbewertung von Zuwanderungsantragsstellung einbezogen hätte.


Darüber hinaus wäre zu überlegen, warum durch Anwerbung neue Migranten ins Land geholt werden sollen, wenn doch Hunderttausende "Illegale" bereits im Land leben, die über die Jahre unglaubliche Integrationsleistungen erbracht haben, denn: "Illegale" sind sehr bemüht, sich dem neuen Lebensumfeld anzupassen, weil Auffälligkeit für sie ein erhöhtes Verhaftungsrisiko bedeutet. Entsprechend sollte man, analog zu den US-amerikanischen Vorschlägen einer "earned regularization" (erworbene Regulierung), auch für Deutschland bzw. die Europäische Union die Legalisierung von solchen "Illegalen" ins Auge fassen, die bestimmte Kriterien erfüllen wie etwa ein eigener Beitrag zum Lebensunterhalt, keine Straffälligkeit, Integrationsleistung, soziale Verbindungen.


Globalisierungsprozesse eröffnen immer mehr Menschen in immer neuen Weltgegenden illegale Migration als einen Ausweg aus Armut oder eine Möglichkeit, Geld zu verdienen. Wenn also die Staaten der Welt keine illegale Migration wollen, müssen sie zuerst und zunächst dafür sorgen, daß Menschen in ihrem Herkunftsland ein Leben in Würde führen können. Dies bedeutet kurzfristig die Eröffnung von Wegen, auf denen "Illegale" ihr hart verdientes Geld an die Familien im Herkunftsland überweisen können, ohne daß sich Dienstleister für den Geldtransfer außerhalb des formellen Bankensektors unverhältnismäßig bereichern können. Je nach Zielland können die Gebühren bis zu zehn Prozent des überwiesenen Betrags verschlingen. Denn: Je früher "Illegale" ihr Migrationsziel erreichen (z.B. das Geld


10. Todestag
am 17. August 2010:


Roman Bleistein SJ
(1928-2000)


von

Andreas R.
Batlogg SJ,

Chefredakteur, München


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