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Walter Kerber SJ

Pfingstmontag



"Not kennt kein Gebot." Die Not der leeren staatlichen Kassen angesichts der Kosten der deutschen Einheit und besonders der Pflegeversicherung läßt Ausschau halten nach außerordentlichen, bisher ungewohnten Finanzierungsquellen. Dazu müssen alle einen Beitrag leisten. So liegt der Gedanke nahe, auch den Kirchen ein eigenes Opfer zuzumuten. Sie sollen auf einen gesetzlichen Feiertag verzichten. Beklagen sich doch die Arbeitgeber schon seit langem darüber, daß in Deutschland mehr Feiertage durch staatlichen Zwang arbeitsfrei gehalten werden als in vielen anderen Ländern.


Da bietet sich der Pfingstmontag an: Ein Festtag, der in den christlichen Kirchen nicht weltweit, sondern nur in ganz wenigen Ländern gefeiert wird. Schon immer hatten die Pfarrer in Deutschland ihre liebe Mühe, die Gläubigen zur kirchlichen Festfeier des Pfingstmontags anzuhalten. So hört man denn aus CDU-Kreisen: "Ein Tag, an dem selbst der Papst arbeitet, braucht in Deutschland kein kirchlicher Feiertag zu sein." Rasch werden Berechnungen angestellt, wie viele Milliarden Deutsche Mark durch Arbeit am Pfingstmontag für die Pflege der Alten lockergemacht werden könnten: Bruttosozialprodukt geteilt durch die Zahl der Arbeitstage ergibt für diesen zusätzlichen Arbeitstag eine ganz erkleckliche Summe.


Aber diese schöne Rechnung geht leider so nicht auf, am wenigsten in Zeiten einer Arbeitslosigkeit. Eine Verlängerung der Arbeitszeit durch Wegfall von Feiertagen (ebenso wie ein Hinaufschieben der Altersgrenze oder eine Erhöhung der Wochenarbeitszeit) steigert nur dann das Sozialprodukt, wenn die zusätzlich produzierten Güter auch auf dem Markt abgesetzt werden. Bestünde jedoch eine entsprechende Nachfrage, hätten die Unternehmer bereits Arbeitskräfte dafür eingestellt.


Müßte die zusätzliche Arbeit am Pfingstmontag voll nach Tarif in Löhnen und Sozialabgaben bezahlt werden, dann blieben keine zusätzlichen Produktionsgewinne übrig, die zugunsten der Pflegeversicherung verteilt werden könnten. Nur solange die Tarifverträge noch weiter gelten, die von kürzeren Gesamtarbeitszeiten ausgehen, können die Unternehmen kostengünstiger produzieren. Aber wer dürfte es den Gewerkschaften verdenken, bei der nächsten Tarifrunde diesen zusätzlichen Arbeitstag den Unternehmen wieder in Rechnung zu stellen? Sollen Feiertage geopfert werden, nur um der Industrie vorübergehend härtere Tarifauseinandersetzungen zu ersparen?


Ist es überhaupt richtig, wie immer wieder behauptet wird, daß wir eigentlich mehr arbeiten müßten? Wofür und wie dringend brauchen wir einen höheren materiellen Güterausstoß? Das eigentliche soziale Problem ist doch heute nicht der

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