Krätzl, Helmut: ... und suchen dein Angesicht.

Gottesbilder - Kirchenbilder. Bildauswahl und Bilderklärungen v. Hubert Gaisbauer

Wien: Dom Verlag 2010. 191 S. Gb. 23,50.


Wer den um Gott besorgten Theologen und die ihn präsentierende Kirche näher kennenlernen will, dem kann das Buch "… und suchen dein Angesicht" wärmstens empfohlen werden. Exegetisch versiert, aber allgemein verständlich und stilsicher geht Helmut Krätzl darin zunächst verstörenden Gottesbildern im Alten Testament (Krieger, Zorn Gottes, Strafender Gott, Eifersüchtiger Gott, Opfer-Gott: 13-70) nach. Darauf folgen Überlegungen zu berührenden Gottesbildern im AT (Heiliger Gott, "Ich-bin-da", freiheitsbringender Gott, leidenschaftlich Liebender, sanfter Gott: 71-125). Der dritte Abschnitt hält den beiden ersten den "Gott und Vater Jesu Christi" (127-182) entgegen: "Wer mich sieht, sieht den Vater", "Der barmherzige Vater", "Mein Gott, warum hast du mich verlassen?", "Der dreieine Gott", "Der Gott, der sich gerade den Kleinen offenbart".


Bilder (z. B. von Hieronymus Bosch, Alfred Kubin, Arnulf Rainer, Alexej von Jawlensky oder Emil Nolde) mit kurzen Auslegungen von Hubert Gaisbauer verstärken die Ausführungen Krätzls und reichen über reine Illustration hinaus. Hintergrund des Buches ist der neue militant-polemische Atheismus: "Erschreckend ist, von welchem Gottesbild die atheistischen 'Missionare' ausgehen, wie sie mit der Bibel überhaupt umgehen. Sie bewegen sich auf demselben Niveau wie ihre größten Feinde, die religiösen Fundamentalisten. … Was hat christliche Verkündigung hier wohl alles falsch gemacht, oder sträflich versäumt?" (10) Dieser Bischof scheut sich nicht festzustellen: "Die Glaubenskrise vieler Menschen kommt von entstellten Gottesbildern, die ihnen übermittelt wurden. Und die Kirche verliert zunehmend ihre Glaubwürdigkeit, wenn sie wohl einen guten und barmherzigen Gott verkündigt, aber nicht selbst Abbild von ihm ist" (11).


Krätzl geht Gottesbildern im Alten wie im Neuen Testament nach, erklärt diese didaktisch klug, aber unaufdringlich, und fragt nach Konsequenzen für kirchliche Verkündigung und Sakramentenpastoral. Man spürt, daß Krätzl das Thema Kirche ein Herzensanliegen, ja ein Lebensthema ist, nicht zuletzt aus Sorge um den Gotteszugang kommender Generationen: "Soll sie doch in allem, was sie ist und tut, Gott 'abbilden', seine Ikone sein" (12). Wer von den ihm vermittelten Gottesbildern seiner Kindheit und Jugend nicht loskommt, sich davon "besetzt" oder gar geknechtet fühlt und von diesen Bildern keine Brücke schlagen kann zu seinem aktuellen Glaubensgefühl, findet hier solide und äußerst hilfreiche Anregungen - noch dazu in künstlerisch ansprechender Aufmachung.

Andreas R. Batlogg SJ


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