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Wladyslaw Bartoszewski

Europäische Gedenkkultur



Angesichts der Erfahrung von Konzentrationslager und Völkermord wäre es angemessener, im Schweigen zu verweilen, als über eine Kultur des Gedenkens zu sprechen. So formulierte Gideon Hausner, der ehemalige Vertreter der Anklage im Eichmann-Prozeß:


"Die kaltblütige, willkürliche und systematische Vernichtung von Millionen hilfloser Zivilisten ... ist eine Geschichte, für die uns die Worte fehlen. Denn Worte dienen dazu, menschliche Erfahrungen zu vermitteln. Diese Taten jedoch übersteigen jedes Maß. Sie spotten jeder Beschreibung, ihre Einzelheiten machen uns sprachlos."(1)


Gedenken - eine Reflexion in der Stille


Die erste zu erwähnende Eigenschaft des ehrlichen und tiefen Gedenkens ist also, daß es keine lauten Worte braucht. Keine Zeremonien. Ganz bestimmt keine Militärparaden und Ehrensalven, auch wenn all das zu der alten und nach und nach überholten traditionellen Form der Andachtsfeier gehört.


Gedenken ist vor allem eine Reflexion, die in der Stille stattfindet. Es ist die verkörperte Stille. Ein nachdenkliches Schweigen im Angesicht der in der Zeit eingefrorenen Tragödie. "Ich habe über diesen Gipfelpunkt des Bösen alles gelesen", erinnert sich der KZ-Häftling und Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel in seiner "Wiederbegegnung mit Auschwitz":


"Ich glaube alles über die letzten Stunden der Opfer zu wissen. Ich werde nichts sagen. Es sich vorzustellen, wäre taktlos. Es zu erzählen, wäre schamlos. ... Das ist es, was wir tun müssen: den Atem anhalten und warten, gemeinsam, um ein ganz kleines bißchen die gebieterische Stimme dieser Zeit zu vernehmen, diejenige einer Erinnerung, welche brennt und brennt, aber sich niemals verzehrt."(2)


Gedenken ist also ein geduldiges Lauschen nach den Geisterstimmen der Vergangenheit, die bis heute an Orten der Tragödie, des Leidens und des Todes wie ein entferntes Echo wahrnehmbar sind. Die zwischen den Wänden der verlassenen Häftlingsbaracken widerhallen, auf unkrautüberwucherten Appellplätzen, im verrosteten Stacheldraht und in leeren Schußlöchern der Wachtürme. Über anonymen Massengräbern. Es sind Entsetzensschreie und Weinen. Gebete. Schläge und Hundegebell. Schüsse. "Das Blut deines Bruders schreit zu mir vom

10. Todestag
am 17. August 2010:


Roman Bleistein SJ
(1928-2000)


von

Andreas R.
Batlogg SJ,

Chefredakteur, München


Wir freuen uns, wenn Sie die "Stimmen der Zeit" näher kennen lernen wollen. Mehr...