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Johannes Müller SJ

Klimapolitische Weichenstellung



Die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise beherrscht seit Monaten die mediale Öffentlichkeit und hat den Klimawandel stark in den Hintergrund treten lassen. Dies ist begreiflich, jedoch sehr kurzsichtig, denn die Folgen des Klimawandels werden die Menschheit weit länger und stärker belasten. Es besteht darum dringender Handlungsbedarf, da das Zeitfenster für langfristig wirksame Maßnahmen nur noch einige Jahre offen sein wird.


Eine große Chance bietet diesbezüglich die 15. Vertragsstaatenkonferenz (COP- 15) zur Klimarahmenkonvention, die 1992 in Rio verabschiedet wurde. Sie ist zugleich die 5. Vertragsstaatenkonferenz des Kyoto-Protokolls (MOP-5). Das Treffen findet vom 7. bis 18. Dezember 2009 in Kopenhagen statt und muß wichtige klimapolitische Weichenstellungen vornehmen, die zugleich weitreichende Folgen für die Entwicklungschancen armer Länder und Menschen haben werden. Ziel ist ein umfassendes Klimaschutzabkommen für die Zeit nach 2012, worauf sich die Staatengemeinschaft auf der Klimakonferenz in Bali 2007 (COP-13) geeinigt hat. Ein Erfolg der Konferenz ist freilich alles andere als sicher, denn es gibt noch viele, fast unüberwindbar scheinende Hürden.


Wie dringlich ein schnelles und entschlossenes Handeln ist, zeigen fast alle aktuellen Studien zum Klimawandel. Neueste Daten zum Eisschwund in der Arktis oder zu Temperaturrekorden in den Ozeanen zeigen, daß der Klimawandel noch weit dramatischer verläuft als bisher angenommen. Die Leitplanke der Europäischen Union, eine Erhöhung der globalen Mitteltemperatur auf mehr als maximal zwei Grad Celsius auf jeden Fall zu verhindern, auf die sich auch das jüngste G-8-Treffen in L'Aquila verpflichtet hat, halten viele Klimaforscher heute für unzureichend. Aber schon dieses Ziel würde bis 2050 eine Halbierung der globalen Treibhausgase, bezogen auf das Basisjahr 1990, erfordern. Die Industrieländer müßten ihre Kohlendioxidemissionen sogar um 80 Prozent senken, allein bis 2020 um 30 bis 40 Prozent. Manche Ökonomen und Politiker halten dagegen aus ganz unterschiedlichen Gründen bestenfalls eine Zielmarke von drei Grad Celsius für realistisch. Der Klimawandel mit seinen verheerenden Folgen verläuft freilich nach physikalischen Gesetzen, die keine Rücksicht auf ökonomische Argumentationen nehmen.


Ein Erfolg in Kopenhagen verlangt eine enge Kooperation sehr vieler und vielfältiger Akteure. Eine Schlüsselrolle spielen dabei - neben den Industrieländern als Hauptverursachern - Schwellenländer wie China und Indien. Diese Länder haben zwar nach wie vor einen vergleichsweise geringen Ausstoß an Kohlendioxid pro Kopf der Bevölkerung, allerdings sind ihre gesamten Treibhausgasemissionen sehr hoch und schnell ansteigend, vor allem - wie etwa im Fall von Indonesien oder Bra-

10. Todestag
am 17. August 2010:


Roman Bleistein SJ
(1928-2000)


von

Andreas R.
Batlogg SJ,

Chefredakteur, München


Wir freuen uns, wenn Sie die "Stimmen der Zeit" näher kennen lernen wollen. Mehr...