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Tzvia Koren-Loeb
Israelische Identität - Bibel oder Shoah?
Die Bibel ist der größte Bestseller der Welt. Wenn man das Wort "Bibel" in die Suchmaschine Google eingibt, findet man etwa 17 Millionen Websites. In der Bibel kann man alles finden: Kriege, Liebe, Glauben, Heiligkeit, Beziehungen, Natur, Poesie, Literatur. Sie bezieht sich insbesondere auf die Grundfragen menschlicher Existenz. Daß die Bibel versucht, die Perspektiven verschiedener Kulturen und Mentalitäten zu integrieren, macht aus ihr ein unverzichtbares Buch.
Text und Identität
Die Bibel ist der älteste Text, mit dem die Identität des jüdischen Volkes verbunden ist. Große Philosophen des 19. Jahrhunderts wie Nachman Krochmal (1785-1840), Hermann Cohen (1842-1918), Franz Rosenzweig (1886-1929) und Martin Buber (1878-1965) haben in ihrem Denken immer die Bibel als erste Quelle vor Augen gehabt und ihre Themen dadurch weiterentwickelt. Dennoch nimmt das Interesse an der Bibel im heutigen Israel stetig ab. Dies wurde schon in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts durch Jacob (Coos) Schoneveld wahrgenommen und vor einigen Jahren von der israelischen Historikerin Anita Shapira von neuem thematisiert.
Dagegen sind die Shoah und ihre Folgen für Erziehung und Ausbildung der israelischen Jugend seit Jahren ein zentrales Thema. Zum Beispiel ist das sogenannte "Israeli Roots Project" Teil des Lehrplans der siebten Jahrgangsstufe an Gymnasien. Als eine Art Spurensuche sollen die Schüler die Geschichte ihrer Familien erforschen und dokumentieren. Die besten Arbeiten werden prämiert. Der Höhepunkt dieser methodisch- didaktischen Maßnahme ist für die israelischen Schüler eine Reise nach Polen: Seit 1988 findet am "Jom Ha-Schoa" (Holocaust-Gedenktag) der "Marsch der Lebenden" statt: ein Gedenkmarsch vom Konzentrationslager Auschwitz zum Vernichtungslager Birkenau, der von Überlebenden der Shoah angeführt wird und an dem junge Juden aus der ganzen Welt teilnehmen. Die Reise nach Polen und die Teilnahme am Gedenkmarsch sind ein kollektives Identitätszeichen des israelischen Bewußtseins bzw. der Ausprägung jüdischen Lebens in Israel. Welche Bedeutung haben Bibel und Shoah für die nationale Identität Israels? Welche Bedeutung könnten sie heute haben?
Säkulare Menschen in Israel verbinden heute die Bibel mit religiösem Fundamentalismus. Die Sprache der Bibel ist nicht identisch mit dem von der Mehrheit der Israelis gesprochenen Neuhebräisch und deswegen ohne Erklärung unverständlich.
10. Todestag
am 17. August 2010:
Roman Bleistein SJ
(1928-2000)
(1928-2000)
von
Andreas R.
Batlogg SJ,
Chefredakteur, München
Roman Bleistein SJ
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