Matthias Sellmann

Gott ist jung! Kirche auch?

Trends und Projekte in jugendpastoraler Theorie und Praxis


Aktuelle Projekte und Initiativen der Jugendpastoral


Neues ist nur deswegen neu, weil es auf Bewährtem und Gewohntem aufsattelt. Darum muß eine Darstellung von jugendpastoralen Innovationen zunächst auf die große Breite jener Jugendarbeit hinweisen, die eher konventionell und unspektakulär einfach Räume für junge Leute bereithält, in denen diese sich treffen, austauschen und zusammen leben können. Die Meßdienerjugend, die Pfarrjugend, die Jugendgruppen der Orden, Bewegungen und Verbände knüpfen ein dichtes Netz von Gruppen, Treffs und Angeboten, auf das nach wie vor sehr viele junge Leute gern Zugreifen6. Oft ist die Kirche, vor allem auf dem Land, die einzige Institution, die jungen Leuten Freizeitangebote macht und damit - noch vor jeder inhaltlichen Ansprache - dokumentiert, wie wichtig ihr die Begegnung mit jungen Leuten ist.


Auf den Schultern dieser Infrastruktur und dieser Flächenpräsenz stehen einige innovative Projekte mit besonderer Signalkraft. Wie stellt sich dieses "Neue" praktisch dar? Was wird in der gegenwärtigen Jugendpastoral ausprobiert? Welche Erfahrungen macht man an diesem ausgesetzten Ort, die auch für andere Kirchenorte wertvolle Einsichten bieten könnten? Dazu sollen einige aktuelle Projekte und Initiativen angeführt werden. Dabei werden die beiden innovativsten Entwicklungen nicht benannt: Die "Jugendkirchen" werden ausgespart, weil dazu gerade in letzter Zeit mannigfache Publikationen vorgelegt wurden, die ihren enormen Innovationscharakter Herausarbeiten7, und die "Theorie der Selbstsozialisation", die die jungen Leute heute als sich selbst sozialisierende Akteure versteht, bleibt aus Platzgründen unerwähnt8. Die folgenden Projektskizzen erheben keinerlei Vollständigkeitsanspruch, sondern wollen an willkürlich ausgewählten Projekten das Neue im Suchprozeß gegenwärtiger Jugendpastoral herausarbeiten. Der Übersicht halber werden die vorgestellten Projekte entsprechend den kirchlichen Grundvollzügen systematisiert9.


Verkündigung oder: Was vernetzt?


Oft ist es der Mediengebrauch, der die Jungen von den Alten unterscheidet. Medien begründen Wirklichkeitszugänge, und die sind bei Jüngeren oft andere als bei Älteren. So ist das auch in der Jugendpastoral: Vieles spielt sich in den sogenannten Neuen Medien ab - und viel von dem hier Ausprobierten ist für die Älteren schlichtweg nicht existent, weil sie nicht "on" sind. Die neuere Jugendsoziologie arbeitet deutlich heraus, daß das Bedürfnis nach "Konnektivität" zu den Hauptbedürfnissen heutigen jungen Lebens gehört10. Mit dem Begriff ist ein Zustand der medialen und über diese der sozialen Vernetzung gemeint. Das Adreßbuch des Handys, die Freunde auf Facebook oder studiVZ und/oder die Frequenzen der verschiedenen Messenger-Systeme wie icq werden zu Gradmessern für die soziale Eingebundenheit. Die neuen Verben jugendlicher Selbstverifikation und Sozialpräsen-

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