Matthias Sellmann

Gott ist jung! Kirche auch?

Trends und Projekte in jugendpastoraler Theorie und Praxis

um Glaubensimpulse, die in der Advents- und Fastenzeit als Briefe in einer virtuellen
Lounge angeboten werden. Jugendliche ab 14 Jahren sollen zu einer intensiveren Gottesbegegnung in den geprägten Zeiten eingeladen werden. Dies geschieht mit ungewöhnlichen Mitteln: Zunächst ist die ganze Ästhetik des Auftritts von einer für Pastoralprojekte erfrischenden Kühle. Die erste Ebene des Auftritts ist als Straße mit drei Orten gestaltet und arbeitet mit einer reduzierten, astronautischen Bildsprache, der eine sphärische Musikfarbe unterlegt ist. Von vornherein werden damit Anmutungen einer aufdringlich fröhlichen oder betulichen Performance verhindert. Die Straße navigiert den Benutzer entweder zum "Blueboard" - einem Nachrichtenbrett -, zum "Internetcafé" oder zur "Soul-Area", einem der Hauptaktionspunkte des Projekts. Geschickt entschleunigt hier das zuständige Designerbüro 11gen den Eintritt in die "Area": Man wählt einen Namen und wird fortan durchgehend so angesprochen; man legt die Jacke ab; man wählt sich seine Musikfarbe in der Lounge; man zündet eine Kerze an, und erst dann gelangt man zum Briefimpuls des Tages. Die Lounge ist als urbaner Designer-Flat in Zeichentrick-Grafik gestaltet, eine chill-out-Area mit Ausblick durch zimmerhohe Verglasung auf verschneite Berge. Neben der Lounge gibt es eine virtuelle Kapelle, die "Praystation", in der man von Gott selbst begrüßt wird, der zum Verweilen, zum Beten, zum Eintrag in ein Fürbittbuch und zum Nachdenken einlädt. Tatsächlich schafft es diese Kapelle, eine Stimmung der Andacht und der Ruhe zu vermitteln. Neu in der Soul-Area ist der "Gospelboden": Man besteigt ihn über eine Leiter und findet hier eine Bibel zum Lesen, mp3-Dateien mit biblischen Texten zum Hören und jede Menge Zeugs zum Stöbern11.


Noch über viele andere Instrumente bietet das Projekt "Touch-me-Gott" eine Drehscheibe für jugendliche Glaubenskommunikation: Gesprächspartner im Chat, e-cards, Treffen der community in Facebook oder auch face-to-face, Downloads von Klingeltönen, eine mutige und jugendgerechte Öffentlichkeitsarbeit. Hinsichtlich der Verkündigungsaufgabe der Kirche sind zwei Aspekte bemerkenswert: Erstens steht die Gottesfrage im Zentrum, weil die Fiktion leitend ist, von Gott selbst angesprochen und berührt zu werden. Zweitens bedeutet der technische Entwicklungsschritt eines web 2.0 offenbar auch einen Entwicklungsschritt hin zu einem "Christsein 2.0". So wie das web 2.0 dadurch gekennzeichnet ist, daß Websurfer über interaktive Benutzeroberflächen selber zu Produzenten von Inhalten werden - in der Fachsprache: "user" generieren "content", indem sie Filme, Fotos, Tagebucheinträge, Selbstprofile usw. ins Netz einstellen - werden sie über Seiten wie ‹touch-me-gott.de› auch inspiriert, selber religiöse Inhalte für andere zu erstellen: über Einträge in Gebetbücher, Kommentare zu Bibeltexten, Anzünden von Kerzen oder Benutzen von pastoralen Chatrooms.


Als ähnliche Projekte solcher "Verkündigung 2.0" können genannt werden: Advents- und Fastenkalender im Internet (z.B. aktuell von Bonifatiuswerk und Erzbistum Paderborn: ‹www.die-zeit-vor-ostern.de›); die Präsenz verschiedener kirchlicher

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