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Roeland, Joop: Verlorene Wörter
Mit Arbeiten von Angelika Kaufmann
Wien: Dom-Verlag 2009. 125 S. Gb. 17,50.
Es ist schon fast eine versunkene bzw. vergessene Welt, die nur noch Sprachliebhabern und Literaturwissenschaftlern zugänglich ist - bezeichnenderweise aufgegriffen von einem gebürtigen Niederländer, der aber seit Ende der 60er Jahre in der österreichischen Bundeshauptstadt lebte und wirkte, einem Meister der deutschen Sprache: Joop Roeland († 18.3.2010), Mitglied des Ordens der Augustinereremiten. Im "kirchlichen Wien" war er, was man landläufig "eine Instituion" nennt: Er wirkte als Seelsorger der Katholischen Hochschulgemeinde, als Geistlicher Assistent des Literarischen Forums und des Katholischen Akademikerverbandes. Fast 40 Jahre lang war er außerdem Rektor der ältesten Kirche Wiens, der Ruprechtskirche in unmittelbarer Nähe zur jüdischen Synagoge und zum Morzinplatz, wo einst das Hauptquartier der Gestapo stand. In seinen verschiedenen Funktionen wurde er zum Gesicht einer "anderen Kirche", abseits des klerikalen Domherrenmilieus. Eine andere Sprache war dort vonnöten, jenseits steriler theologischer Formeln oder eines platten pastoralen Erbaulichkeits-Slangs.
"Verlorene Wörter" bezeichnen Wörter auf dem "Abstellgleis" (8), verlorengegangene und in Vergessenheit geratene Ausdrücke. "Gottesdienste der verlorenen Wörter" im Berliner Dom, wo religiöse Wörter, wie zum Beispiel "Reue", neu durchbuchstabiert wurden, haben Roeland inspiriert, auch dem Verlust profaner Wörter nachzugehen - eine Art "Schatzsuche", die natürlich nicht ohne eine gewisse Nostalgie auskommt, "jenen Tonfall der Vergangenheit wieder zu hören" (9). Funde sind garantiert!
Insgesamt 66 Wörter sind in dem künstlerisch ansprechend gestalteten Bändchen versammelt: von "antichambrieren" bis "Zauberlaterne". Welcher literarisch unbewanderte Jugendliche kennt heute noch einen "Backfisch"? Wer könnte auf Anhieb "Boudoir", "Galgenschwengel", "Greißler", "Himmelstau", "Miselsucht", "Mukefuck" (für falschen Mokka, aus dem Französischen "mocca faux"), "Mummenschanz", "Neunundneunziger", "Quatember", "Schabernack" oder etwa "verballhornen" erklären? Wie klingt heutzutage "Hochwürden"?
Der Parcours durch teils skurrile Sprachlandschaften hat (erst recht Nicht-Österreichern) einige Erkenntniswerte anzubieten und setzt "kleinen" Wörtern ein literarisches Denkmal. Diese Miniaturen sind ein wahres Lesevergnügen.
Andreas R. Batlogg SJ
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10. Todestag
am 17. August 2010:
Roman Bleistein SJ
(1928-2000)
(1928-2000)
von
Andreas R.
Batlogg SJ,
Chefredakteur, München
Roman Bleistein SJ
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