Arnold Angenendt

Lobpreis der Alten Liturgie?



Das Motuproprio "Summorum Pontificum" von Papst Benedikt XVI. ist seit drei Jahren in Geltung1. Die Reaktionen darauf können extremer nicht gedacht werden. Die Zustimmung geht hin bis zu der Erwartung, der alte Meßritus werde, wenn nur konsequent und allgemein wieder praktiziert, die Kirchen neu füllen und auch die Jugendlichen zurückholen. Die Ablehnung wähnt die ganze Liturgiereform, ja selbst das Zweite Vatikanische Konzil widerrufen. Dazwischen stehen die Vermittler: Das Motuproprio intendiere eine "wechselseitige Befruchtung der beiden Formen des römischen Ritus" und erscheine als "erster Baustein einer 'Reform der Reform'", nämlich als Korrektur der "zum Teil massiven Eingriffe in die römische Messe"2.


Die sogenannte organische Liturgie-Entwicklung


Als Argumente dienen insbesondere zwei vom Papst formulierte Axiome: Es ist einmal die sogenannte organische Liturgie-Entwicklung, zu verstehen als die "von der apostolischen und ununterbrochenen Überlieferung empfangenen Gebräuche"3. Deren Geltung wird im päpstlichen Begleitbrief zum Motuproprio mit der Sentenz unterstützt: "In der Liturgiegeschichte gibt es Wachstum und Fortschritt, aber keinen Bruch."4 Es ist zum anderen die Anhänglichkeit an das Altehrwürdige, daß "nicht wenige Gläubige den früheren liturgischen Formen ... mit großer Liebe und Empfindung anhingen"5. Der Begleitbrief wiederholt, daß "nicht wenige stark an diesem ihnen von Kindheit auf liebgewordenen Gebrauch des Römischen Ritus hingen"6. Die Botschaft ist eindeutig: zurück zur organisch gewachsenen Tridentinischen Liturgie, zurück zur altehrwürdigen Römischen Liturgie.


Indes hat diese Rückkehr ihre Problematik, die sich neben vielem anderen gerade an zentraler Stelle zeigt, an dem jetzt wieder favorisierten römischen Hochgebet, ist dieses doch weder organisch gewachsen noch altehrwürdig. Das erste ausformulierte Hochgebet findet sich in der "Traditio apostolica", die heute nicht mehr dem römischen (Gegen-)Bischof Hippolyt († nach 235) zugeschrieben wird, aber doch eine "einzigartige Quelle" des 3. Jahrhunderts darstellt7. Dieses Hochgebet, das seit der Liturgiereform unserem zweiten Hochgebet zugrunde liegt, hat in seiner Ursprungsgestalt eine einfache und durchgehende Struktur: Es beginnt mit dem Dank an Gott-Vater, geht über zum Gedenken Jesu Christi, wiederholt die Abendmahls-

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