Arnold Angenendt

Lobpreis der Alten Liturgie?



worte, erinnert den Kreuzestod und die Auferstehung, erbittet den Heiligen Geist für die Verwandlung der Gaben und verheißt den Empfangenden Stärkung des Glaubens. Im nachfolgenden Text sind jene Formeln hervorgehoben, die als Konstanten anzusehen sind:


"Der Herr sei mit euch. Und alle sollen antworten: Und mit deinem Geiste. Empor die Herzen. Wir haben sie beim Herrn. Laßt uns danksagen dem Herrn. Das ist würdig und recht. Und er soll so fortfahren: Wir sagen dir Dank, Gott, durch deinen geliebten Knecht Jesus Christus, den du uns in diesen letzten Zeiten als Retter, Erlöser und Boten deines Willens gesandt hast. ... Der deinen Willen erfüllen und dir ein heiliges Volk erwerben wollte, hat in seinem Leiden die Hände ausgebreitet, um die von Leiden zu befreien, die an dich geglaubt haben. Als er sich freiwillig dem Leiden auslieferte, um den Tod aufzuheben, die Fesseln des Teufels zu zerreißen ..., die Gerechten zu erleuchten ... und die Auferstehung kundzutun, nahm er Brot, sagte dir Dank und sprach: 'Nehmt, eßt, dies ist mein Leib, der für euch zerbrochen wird.' Ebenso nahm er auch den Kelch und sprach: 'Dies ist mein Blut, das für euch vergossen wird. Wenn ihr dies tut, tut ihr es zu meinem Gedächtnis.' Seines Todes und seiner Auferstehung eingedenk bringen wir das Brot und den Kelch dar (besser: bringen herzu). Wir sagen dir Dank, daß du uns für würdig erachtet hast, vor dir zu stehen und dir als Priester zu dienen. Auch bitten wir dich, deinen Heiligen Geist auf die Gabe der Kirche herabzusenden. Du versammelst sie (die Kirche) zur Einheit, so gib allen Heiligen, die sie (d.h. die Opfergabe) empfangen, Erfüllung mit Heiligem Geist zur Stärkung des Glaubens in der Wahrheit, daß wir dich loben und verherrlichen durch deinen Knecht Jesus Christus, durch den die Herrlichkeit und Ehre ist dem Vater und dem Sohn mit dem Heiligen Geist in deiner heiligen Kirche jetzt und in Ewigkeit. Amen."8


Wir haben hier ein Hochgebet sozusagen in einem Zug, das jeweils frei formuliert werden konnte. Die kursiv hervorgehobenen Stellen bilden - wie die nachfolgende Entwicklung bestätigt - die verbindenden und verbindlichen Anhaltspunkte, die dem Gebet Inhalt und Richtung geben. Für das theologische Verständnis ist die Anamnese, das Gedächtnis des Todes und der Auferstehung Jesu Christi, bei ihrem vollen, uns kaum mehr geläufigen Verständnis zu nehmen. Gemeint ist zwar auch unser Denken an Jesus Christus, aber mehr noch Gottes an uns handelndes Gedenken, mit dem wir in die Heilswirkung des Todes und der Auferstehung Jesu Christi hineingenommen werden; dafür essen wir seinen Leib und trinken sein Blut.


Untypische Pluralität?


Von vergleichbarer Art ist das gallikanische Hochgebet, das in Gallien, Norditalien und Spanien üblich war. Es strukturiert sich gleichfalls anhand weniger formelhafter Vorgaben und erlaubt wiederum, den Gesamttext frei zu gestalten9. Den Anfang bildet auch hier die hochfeierliche Präfation. Sie beginnt mit dem Ruf "Sursum corda" und fordert mit "Gratias agamus" zur Danksagung auf für das Erlösungswerk in Jesus Christus. Es folgt das "Sanctus", das in den Lobpreis des wahrhaft

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