Arnold Angenendt

Lobpreis der Alten Liturgie?



heiligen Jesus Christus einmündet. Daran schließt an die Formel "der am Tag vor seinem Leiden" (qui pridie quam pateretur) mit den als bekannt vorausgesetzten und nur ausnahmsweise wiedergegebenen Abendmahlsworten. In Befolgung des Auftrags, Jesu Gedächtnis zu vollziehen (memores), werden Brot und Wein genommen und die Epiklese darüber gesprochen, nämlich die Bitte an Gott-Vater, daß der Geist die Gaben verwandle und eine vollgültige Eucharistie (legitima eucharistia) bewirke10.


Die Hochgebete, sowohl das sogenannte hippolytische wie das gallikanische, haben eine übersichtliche Abfolge und dadurch auch eine klare Grundstruktur: Dank an Gott-Vater für Jesus Christus, der sich zu unserem Heil mit Tod und Auferstehung vergegenwärtigt, woraufhin die Gemeinde gemäß seinem Auftrag Brot und Wein nimmt, auf daß Gott diese Gaben durch seinen Geist zu Fleisch und Blut Jesu Christi wandle und zur vollgültigen Eucharistie mache. Historisch liegt mit der "Abfolge von Einsetzungsbericht, Anamnese und Epiklese ... die konsequenteste Entfaltung der frühchristlichen Eucharistia"11 vor. Anhand der vorgegebenen Schrittsteine waren diese Hochgebete frei formulierbar und blieben dennoch vor den heute beklagten "liturgischen Basteleien" bewahrt. So enthält das um 700 entstandene gallikanische Liturgie-Buch "Missale Gothicum" 70 Meßformulare, die - soweit ausformuliert - jeweils ein wechselndes Hochgebet haben. Folglich überzeugt nicht das gegen die Liturgiereform des Zweiten Vatikanums eingewendete Argument, das mit einer "ganz untypischen Pluralität der Eucharistischen Hochgebete" 12 argumentiert. Die Pluralität war das Normale.


Für die Theologie ist bei diesen frühen Hochgebeten entscheidend die Betonung des "geistigen Opfers", des logos-gemäßen Gottesdienstes, was Joseph Ratzinger "als die angemessenste Formel für die Wesensgestalt der christlichen Liturgie"13 bezeichnet. Grundlage dafür ist die Mahnung des Paulus aus dem Römerbrief: "Euch selbst als lebendiges und heiliges Opfer darzubringen ...; das ist für euch der wahre und vernünftige Gottesdienst (logike latreia)" (Röm 12,1). Ratzinger sieht zum Ausdruck gebracht, "daß 'unsere Leiber' (das heißt unsere leibhaftige irdische Existenz) 'lebendiges Opfer' werden, geeint dem 'Opfer' Christi"14, hier geschehe die "innere Gleichzeitigkeit zwischen mir und der Hingabe Christi"15. Es ist als ein Eingehen in das Opfer Jesu Christi gedeutet, und das betrifft alle, Klerus wie Volk.


Das Problem des römischen Hochgebetes


Und wie steht es mit dem römischen Hochgebet? Seine heutige Fassung stellt sich ganz anders dar. Ein planvoll durchgeführter Grundzug ist darin nicht mehr zu erkennen16. Es ist "nicht leicht", schreibt Josef A. Jungmann SJ in seinem Standardwerk "Missarum Sollemnia" (1948) über die Geschichte der Meßliturgie, "im heutigen Text die Gestalt eines solchen Planes wiederzuerkennen"; nur durch

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