Arnold Angenendt

Lobpreis der Alten Liturgie?



historische Analyse könne man "den alten Plan wieder deutlicher sichtbar ... machen" 17. Die Grundelemente sind indes klar. Wie überall in der Liturgie des Westens und teilweise auch des Ostens erscheinen das "Sursum corda", das "Gratias agamus", ebenso das "Sanctus". Der Anschlußtext "Dich, den allergütigsten Vater" (Te igitur clementissime pater) führt aber schon zum ersten Bruch; denn sofort nach Benennung der bereits als sakral bezeichneten Gaben (haec dona, haec munera, haec sancta sacrificia illibata) wird - von der allgemeinen religionsgeschichtlichen Opferlogik her bestens verständlich - sofort eingeschoben, auf wen der mittels dieser bereits als heilig deklarierten Gaben zu erwartende Segen gelenkt werden soll: "Zuerst opfern wir für deine heilige Kirche." Daran sind angeschlossen das "Memento", das Gedächtnis für die Lebenden und noch weitere Zusätze. Erst darauf folgt der ehemalige Anschluß an die vorige Bitte um Annahme der heiligen Gaben: "Welche Darbringung du, Gott, zum gesegneten, vollgültigen und geistigen Opfer machen mögest, zum Leib und Blut Christi." Hierauf setzt das "am Tag vor seinem Leiden" mit den Abendmahlsworten ein; es folgt das "Unde et memores", das Gedenken mit der Epiklese und der Bitte, Gott möge durch seinen Engel die Gaben zum himmlischen Altar vor sein Angesicht bringen lassen, "damit wir aus der Teilhabe dieses Altares den Leib und das Blut des Herrn empfangen". Abermals wird unterbrochen und spiegelbildlich zum Memento der Lebenden ein solches für die Toten eingefügt; zuletzt folgt noch die Bitte um Gemeinschaft mit den Heiligen. Die Einschübe geben sich als selbständige Gebete und enden zumeist mit "durch Christus unseren Herrn". Somit ergibt sich: Der alte Plan scheint weiterhin durch, ist jedoch in der Abfolge unterbrochen und in seiner durchgehenden Struktur zerstört.


Der Tendenz, Bitten einzuschieben, folgt im römischen Hochgebet als zweite, noch gravierendere die der Sühne, nämlich Gott-Vater Leib und Blut seines Sohnes zu opfern für die Vergebung der Sünden der Menschen. Das sogenannte hippolytische wie das gallikanische Hochgebet hatten das auf Jesu Erinnerungsauftrag folgende "wir nehmen Brot und Wein" nicht als Opfern verstanden, sondern als Aufforderung, so wie einstmals Jesus im Abendmahlssaal nun ebenso Brot und Wein zu nehmen und um den Segen zu bitten. Demgegenüber zeigt das "memores offerimus" des römischen Hochgebets mit der Opferung des Leibes und Blutes Jesu Christi an Gott-Vater eine völlig neue Ausrichtung.


Es beginnt damit, daß die Abendmahlsworte bereits die Wesensverwandlung bewirken. Diese Worte als konsekratorisch aufzufassen, geht auf Ambrosius († 397) zurück, der dabei als erster Teile des römischen Hochgebets zitiert. Vor den Abendmahlsworten steht bei ihm die Bitte: "Mache uns dieses Opfer (oblationem) zu einem festgeschriebenen (scriptam), geistigen (rationabilem) und wohlgefälligen (acceptabilem), das die Bild(wirklichkeit) des Leibes und Blutes unseres Herrn Jesus Christus ist"18. Das ist inhaltlich, ohne den Gottes-Geist dafür anzuführen, die Wandlungsbitte. Jungmann zufolge bleibt es jedoch unwahrscheinlich, daß der römische Kanon "einmal eine Heilig-Geist-Epiklese als Wandlungsbitte besessen

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