Arnold Angenendt

Lobpreis der Alten Liturgie?



habe"19; ursprünglich sei nur eine "Vorstufe" anzunehmen, nämlich "die schlichte Form einer einfachen Bitte um Segnung der Gaben"20. Aber bei Ambrosius ist es eine Wandlungsbitte, und die Wandlung selbst versteht er als eine Veränderung von "zuvor" zu "danach": "Bevor die Konsekration vollzogen wird, ist es Brot; sobald aber die Worte Christi hinzugekommen sind, ist es der Leib Christi."21 Und nochmals: "Aber dieses Brot ist (gewöhnliches) Brot vor den sakramentalen Worten. Sobald die Konsekration erfolgt ist, wird aus dem Brot das Fleisch Christi."22 Ebenso heißt es zum Kelch: "Vor der Konsekration heißt es anders, nach der Konsekration wird es Blut genannt."23 Historisch gibt hier "zum ersten Mal ein westlicher Autor genau an ..., wodurch ... die Konsekration bewirkt wird, nämlich durch die Herrenworte des Einsetzungsberichts"24.


Der römische Kanon läßt dann, wie ihn Ambrosius weiter zitiert, das "gedenkende Opfern" folgen: "Daher sind wir denn eingedenk (memores) seines heilbringenden Leidens, seiner Auferstehung von den Toten und seiner Himmelfahrt und bringen (offerimus) Dir diese makellose Opfergabe (immaculatam hostiam), diese geistige (rationabilem) Opfergabe, diese unblutige (incruentam) Opfergabe, dieses heilige Brot und den Kelch des ewigen Lebens dar."25


Hiermit beginnt die Idee, es werde Gott-Vater der Leib und das Blut seines Sohnes geopfert. Denn die mit den Abendmahlsworten geschehene Konsekration mußte das "memores offerimus" als Aufopferung des Fleisches und Blutes Jesu Christi an Gott-Vater verstehen lassen. So bestätigt auch Jungmann: "Wir ... bringen dir dar dessen Leib und Blut."26 Dadurch rückte der Opfergedanke in den Kern der ganzen Feier: "Wir stehen vor dem zentralen Opfergebet der ganzen Meßliturgie, vor dem primären liturgischen Ausdruck der Tatsache, daß die Messe ein Opfer ist."27


Umdeutung zum Opfer


Gegenüber dem sogenannten hippolytischen und gallikanischen Hochgebet zeigt hier das römische eine theologisch erhebliche Umdeutung, nämlich Gott-Vater Fleisch und Blut seines Sohnes darzubringen. Offenbar hat aber auch das römische Hochgebet zunächst das "memores offerimus" im Sinn von "wir gedenken des Auftrags Jesu Christi und nehmen Brot und Wein" verstanden. Denn die Worte panem et calicem meinen eindeutig die Darbringungselemente Brot und Wein"28, sind diese doch die "Gaben des Schöpfers" (de tuis donis ac datis), mit denen wir, so Jungmann, "dem Herrn der Schöpfung das darbringen, was er selbst geschaffen hat"29. Daß überdies die Gaben nicht von Menschen in einem Opferakt Gott dargebracht werden, zeigt sich daran, daß Gott selber das Opfer des Sohnes zu sich empornimmt, denn Engel sind es, die es ihm zutragen, auf daß die Gläubigen teilhaben am himmlischen Altar.

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