Arnold Angenendt

Lobpreis der Alten Liturgie?



mit seinen Händen bringe er Gott das Opfer der Versöhnung dar, er wurde gepriesen als der Mensch, dem die Macht verliehen sei, mit den Wandlungsworten Gott geradezu auf den Altar herabzuzwingen. Dieses Bild ist unwiderruflich zerbrochen"36 - sei doch im Neuen Testament "eine kultische Vollmacht des Priesters ... zu unserem Erstaunen direkt jedenfalls nicht erwähnt"37. Dennoch steht bis heute im römischen Kanon weiterhin die Formulierung vom priesterlichen Opfern für die Gemeinde: "für die (Gemeinde) wir (Priester) opfern (pro quibus tibi offerimus)". Wer also den römischen Kanon betet, verstößt schon gegen "Mediator Dei", erst recht gegen die Gottesvolk-Theologie des Zweiten Vatikanums.


Die Veränderungen, wie sie sich im römischen Hochgebet zeigen, kann man mit Jungmann als typisch für den Übergang von der Eucharistie zur Messe bezeichnen, und hierin liegt der Schlüssel zum Verständnis des nachfolgenden Meßwesens. Gegen Ende des 5. Jahrhunderts sieht Jungmann "in der Idee des eucharistischen Opfers das Moment von Fürbitte und Segensempfang in den Vordergrund (treten) ... Unter allen Formen der Segensspende erkennt man als die wichtigste und gewichtigste diejenige, die mit der Feier der Eucharistie geschieht"38. Bezeichnend ist dafür die in der Spätantike aufgekommene Bezeichnung "Messe", die von dem bei der Entlassung (missa) erteilten Schlußsegen herrührt39. Religionsgeschichtlich ist Segen ein so einfaches wie auch allgemeines Religionselement: "Der Segen spricht Gottes gute Macht ('Heil') aus über andere."40


Weil es jetzt primär um den Segen Gottes geht, wird die segenbringende Messe tunlichst oft gefeiert, sogar täglich und zuweilen gleich mehrmals. Die Messe ist sozusagen für alles gut, und deswegen nun die zahllosen Bitt- und Votivmessen. Überdies besänftigt das Meßopfer den Zorn Gottes und sühnt die Sünden der Menschen. Dafür wird in der Messe die denkbar wertvollste Opfermaterie dargebracht, nämlich Leib und Blut des Gottes-Sohnes, dessen Opferung sich Gott-Vater nicht entziehen kann. Genau diese charakteristischen Eigenheiten, wie sie für die Meßauffassung insgesamt leitend wurden, finden sich allesamt im römischen Hochgebet wieder: die Verstärkung des Bitt- und Sühnecharakters, dazu die Dominanz des Opferpriesters.


Wir sehen: Im Vergleich mit der frühen Liturgietradition und speziell der gallikanischen wie auch teilweise der östlichen bewahrte die römische Liturgie beim Hochgebet eben nicht das Ursprünglich-Alte, sondern öffnete sich zeittypischen Tendenzen. Somit ist es gerade das römische Hochgebet, das die alte Form aufgegeben und sich dadurch erheblich verändert hat, so daß es nicht Zeuge einer organischen Fortentwicklung ist, sondern einen Bruch aufweist.


Die Umdeutungen, die das römische Hochgebet erfahren hat, sind so tief ins allgemeine Bewußtsein eingegangen, daß aus dieser Sicht bei der Liturgiereform des Zweiten Vatikanums auch die neuen Hochgebete gestaltet worden sind. Das sogenannte hippolytische Hochgebet hat vor den Abendmahlsworten eine Wandlungsepiklese erhalten: "Sende deinen Geist auf diese Gaben herab und heilige sie,

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