Arnold Angenendt

Lobpreis der Alten Liturgie?



damit sie uns werden Leib und Brot deines Sohnes, unseres Herrn Jesus Christus." Folglich bedeutet jetzt das "gedenkende Herbeibringen" nicht mehr wie ursprünglich, daß die Feiernden wie Jesus Brot und Wein nehmen und Gott um den verwandelnden Geist bitten, sondern daß sie nun opfern: "und bringen dir so das Brot des Lebens und den Kelch des Heils dar". Die anderen neuen Hochgebete folgen derselben Deutung, am massivsten das vierte: "So bringen wir dir seinen Leib und sein Blut dar, das Opfer, das dir wohlgefällt und der ganzen Welt Heil bringt."


Organische Entwicklung ohne Umbrüche und Abbrüche?


Aber nicht nur historisch ist das römische Hochgebet ein Problem. In seiner vorliegenden Gestalt ist es obendrein ein "Gebetsproblem". Weil es in Wirklichkeit nicht die altehrwürdige Gestalt einer "organischen Liturgie-Entwicklung" ist, sondern in historischen Veränderungsprozessen stärkstens umgeformt, ja verformt wurde, sind heute zum Verständnis, wie Jungmann sagt, liturgiegeschichtliche Spezialkenntnisse nötig. Aber muß nicht das Kerngebet der Liturgie von Wesen und Aufbau her so "einfach" formuliert sein, daß man es ohne Spezialstudium mitbeten kann? Es heißt doch das Evangelium auf den Kopf stellen, wenn das Zentralgebet der Eucharistie allein den Weisen und Klugen zugänglich wäre, den Unmündigen aber verschlossen bliebe (vgl. Mt 11,25).


Karl Rahner SJ hat die Idee einer "Kurzformel des Glaubens" in die Welt gebracht, nämlich in einer dem Christentum entfremdeten Welt den christlichen Glauben auf eine knappe Formel zu bringen. Und wirklich, Fundamentales wie der Sinn des Hochgebets müßte in einem kohärenten, für alle faßlichen Gedankengang ausgesprochen werden: Dank an Gott-Vater für seinen Sohn Jesus Christus, der sich im Geist vergegenwärtigt in Brot und Wein, auf daß wir uns ihm eingliedern und er uns mitnimmt durch den Tod zu seiner und unserer Auferstehung. Eine solche aus sich selbst verstehbare Form bieten jeweils das sogenannte hippolytische wie das gallikanische Hochgebet, welche Kernformel wie Kurzformel zugleich sind; nicht aber bietet eine solche Form das römische Hochgebet.


Wie fragwürdig die für die römische Liturgie unterstellte "organische Entwicklung" auch sonst noch ist, zeigt sich weiter daran, daß wesentliche Stücke verlorengegangen bzw. verkümmert sind, was wiederum historische, theologische und frömmigkeitliche Probleme aufwirft. So ist das Brotbrechen, das im Neuen Testament bereits als eine bevorzugte Bezeichnung des Herrenmahls erscheint, zur Bedeutungslosigkeit verkümmert. Seit Einführung der kleinen weißen Oblaten, wie sie als ungesäuertes Brot im Frühmittelalter aufkamen, ist das Teilen des Brotes zu einer kaum mehr wahrnehmbaren Brechung der Priesterhostie reduziert und durch das Singen des "Agnus Dei" zusätzlich verundeutlicht. Die primäre Bedeutung, daß alle an dem einen Brot teilhaben, ist dadurch verlorengegangen. Die Kelchkom-

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