Jürgen Pelzer

"Gehet hin und bloggt!"

Netzinkulturation im Zeitalter des Leitmediums Internet

"Ich klicke, also bin ich" - diese Abwandlung von René Descartes' "Cogito ergo sum" gibt den medialen Nerv einer ganzer Generation wieder: Das Internet ist zum Leitmedium der jungen Generation avanciert, deren Vertreter darum auch als "digital natives" und "digital residents" bezeichnet werden. Es bietet den Kirchen ebenfalls ein großes Potential. Vor allem die jungen Milieus, die die Sinus-Studie als Moderne Performer, Experimentalisten und Hedonisten beschreibt, kommunizieren über das Internet und suchen dort auch nach Antworten auf die Sinnfrage. So ist es nicht verwunderlich, daß in Deutschland 54 Prozent der Unternehmen, Behörden, Verbände und Nonprofit-Organisationen die neuen Möglichkeiten des Internets zu PR-Zwecken nutzen1. Um den Mehrwert des Internets für die kirchliche Glaubenskommunikation zu verstehen, muß man zuerst einmal den anthropologischen Reiz des Mediums für die junge Generation erkennen.


Das Internet als Selbst-, Beziehungs- und Informationsmanagement


Von den 12- bis 25jährigen haben 96 Prozent Zugang zum Internet, und die Jugendlichen dieser Altersgruppe sind im Durchschnitt täglich fast zwei Stunden online. Die Frage, worin der Reiz des Internets für sie liegt, war Inhalt vieler Studien und läßt sich eindeutig beantworten: Jugendliche managen durch den Gebrauch des Internets - vor allem der sozialen Netzwerke wie StudiVZ, SchuelerVZ, Facebook und wer-kennt-wen - ihre persönliche Identität (Selbstmanagement) sowie ihre Beziehungen zu anderen Jugendlichen (Beziehungsmanagement), und sie nutzen das Internet als primäre Informationsquelle, als Weltzugang (Informationsmanagement). Diese dreifache Funktion des Internets für Jugendliche wurde zuletzt durch die Studie "Heranwachsen mit dem Social Web" des Hans-Bredow-Instituts belegt2.


Mit einer Kurzformel läßt sich resümieren: StudiVZ sagt dem Jugendlichen, wer er ist; das Internet ist für ihn das primäre Mittel zur Identitätsbildung. Hier kann sich der Nutzer Profile erstellen, sich mit anderen befreunden, Gruppen bilden und seine Zustimmung oder Ablehnung ausdrücken. Es ist kein technischer Reiz, der das Internet so unentbehrlich macht, sondern ein zutiefst anthropologisches Be-

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