Jürgen Pelzer

"Gehet hin und bloggt!"

Netzinkulturation im Zeitalter des Leitmediums Internet

beit eingeladen und eingebunden werden. Neben der Verbindung mit bereits aktiven religiösen Nutzern können dadurch auch neue Erstkontakte aufgebaut werden. Christian Hermes, Pfarrer in Stuttgart, macht dies beispielsweise im sozialen Netzwerk XING. Dort finden sich vorwiegend Moderne Performer. Diese, so Hermes, würde er nicht über die herkömmlichen Medienkanäle wie Pfarrbrief oder Bistumszeitung erreichen.


Lernen von der Wirtschaft - beispielsweise von Coca-Cola


Konzerne greifen die genuin theologische Idee der Charismen in ihren Internetstrategien auf. Ein Beispiel aus der Internetarbeit eines großen Konzerns - Coca-Cola - kann dies verdeutlichen: In dem großen sozialen Netzwerk Facebook existiert eine Fanseite zu der koffeinhaltigen Brause. Solch eine Fanseite ist in etwa analog einer Gruppe in StudiVZ oder anderen Netzwerken. Dort sind die mittlerweile etwa elf Millionen Fans als Nutzer mit ihrem Profil zu sehen und tauschen sich über Gott und die Welt aus - und ab und an auch über jenes Getränk, das den Konzern zu Weltruhm geführt hat. Als die PR-Abteilung darauf aufmerksam wurde, dachte man in einem ersten Schritt daran, die beiden Verantwortlichen, Dusty und Mi chael, zu verklagen. Denn diese hatten die Seite als Privatpersonen, ohne Genehmigung des Konzerns, ins Leben gerufen und auch noch das Firmenlogo verwendet.


Doch die PR-Abteilung war schlauer: Sie dachte im neuen Paradigma der Netzinkulturation. Sie erkannte das große Potential, das die beiden Gründer hatten, sah die Energie, die beide in die Bewerbung des Produkts steckten. Es waren zwei junge Männer, die einfach Freude an der Cola hatten und andere begeistern wollten. Dementsprechend änderte Coca-Cola seine Strategie: Man lud die beiden ein, dankte ihnen und unterstützte sie in ihrer weiteren Arbeit als Verantwortliche für die Fanseite in Facebook. Man kann sich leicht vorstellen, wie die Motivation dieser beiden Privatpersonen durch diese Anerkennung und Achtung seitens Coca-Cola gesteigert wurde. Beide Seiten profitieren von der Situation und Coca-Cola hat forthin zwei ehrenamtliche Unterstützer - bei minimalem Mitteleinsatz.


Das bedeutet: Ein paar Worte kosten nicht viel, können aber eine starke Motivation freisetzen. Genau darin liegt das Prinzip des Internets aus Sicht der Netzinkulturation: Menschen dabei zu unterstützen, das, was sie tun, besser und motivierter zu tun. Bei dem eben besprochenen Beispiel handelt es sich lediglich um eine koffeinhaltige, zuckerreiche Limonade. Um wie viel größer sind die Chancen für die Kirchen, die mit ihren Einrichtungen in Diakonie und Caritas, in Jugendarbeit und all den vielen anderen Bereichen zahlreiche Unterstützer im Internet aktivieren können. Es ist eine grundlegend theologische Sichtweise auf das Internet, das Potential der Charismen zu unterstützen.

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