Jürgen Pelzer

"Gehet hin und bloggt!"

Netzinkulturation im Zeitalter des Leitmediums Internet


Zwei Seiten einer Medaille: Transparente Institution - aktivierte digital residents


Darüber, daß Repräsentanten und wichtige Führungspersonen der Kirche mittels der neuen Möglichkeiten des Internets Kontakt zu den Gläubigen suchen, darf eben nicht in Vergessenheit geraten, daß das große Potential des Internets an der Basis, bei den vielen Gläubigen und Ehrenamtlichen, liegt. Es sind vor allem die digital residents, die jungen Nutzer, die mit dem Internet groß geworden sind, dessen Möglichkeiten intuitiv nutzen und ihren Glauben ganz selbstverständlich auch in den Netzwerken des Internets durch Gruppengründungen sowie andere Zeugnisse kundtun. Diese zu unterstützen, darin liegt das wahre Potential des Internets.


Benedikt XVI. hat in den beiden vergangenen Jahren in seinen Botschaften die beiden Seiten einer kirchlichen Internetstrategie mit folgenden beiden Polen treffend beschrieben: Zum einen können Priester und Hauptamtliche die Möglichkeiten des Internets kennenlernen und nutzen; in diesem Zusammenhang ist etwa auch das Bloggen von Bischof Franz-Josef Bode zu sehen. Zum andern betont der Papst aber auch, wie wichtig es ist, daß die junge Generation auch im Internet mutig Glaubenszeugnis gibt. Dabei kann sie die Kirche mit ihren Organisationsstrukturen und Ressourcen unterstützen und bereits Aktivierte weiter motivieren. Sie kann durch eine kluge und theologisch reflektierte Nutzung der Potentiale des Internets ihren Auftrag besser erfüllen, greifbares Symbol der Gemeinschaft mit Christus zu sein. Dafür ist ein Perspektivenwechsel nötig, den das Zweite Vatikanische Konzil wohl wissend grundgelegt hat mit der Forderung, die "Zeichen der Zeit" (GS 4) zu erkennen. Das Internet ist ein großes und wohl auch hoffnungsvolles Zeichen unserer Zeit. Wo die Kirche in den vielen kleinen und teilweise ehrenamtlichen Projekten diese Zeichen zu deuten und dementsprechend zu handeln weiß, kann sie nur gewinnen.


ANMERKUNGEN


1 Vgl. die Studie "Social Media Governance 2010 - Wie Unternehmen, Staat u. NGOs die Herausforderungen transparenter Kommunikation im Internet steuern" (Universität Leipzig): ‹www.socialmediagovernance. eu/›.
2 Die Studie faßt die Bedeutung des Internets, speziell des Social Webs, d.h. partizipativerAngebote wie etwa der sozialen Netzwerke SchuelerVZ, StudiVZ, wie folgt zusammen: "Isoliert ist, wer nicht am Social Web teilnimmt." Heranwachsen mit dem Social Web: Zur Rolle von Web 2.0-Angeboten im Alltag von Jugendlichen u. jungen Erwachsenen, hg. v. J.-H. Schmidt u.a. (Schriftenreihe Medienforschung der Landesanstalt für Medien NRW, Bd. 62) (Berlin 2009); vgl. ‹www.lfin-nrw.de›.
3 Vgl. B. Grom, Heranwachsen in der Medienwelt, in dieser Zs. 228 (2010) 73-74. 4 Die ARD/ZDF Online-Studie 2009 kommt bei den 14- bis 19jährigen auf 81 Prozent Nutzer und beim Alterssegment der 20- bis 29jährigen auf 65 Prozent (vgl. ‹www.ard-zdf-onlinestudio.de›). Die "JIM: Jugend Information, (Multi-) Media Studie 2009" des medienpädagogischen Forschungsverbandes Südwest nimmt bei den 12-bis 19jährigen 72 Prozent Nutzer an (vgl. ‹www.ahsn-bredow-institut.de/

Probeabo bestellen Newsletter bestellen

Unsere Beiträge über das wichtigste Ereignis der katholischen Kirche im 20. Jahrhundert. Mehr...