Jürgen Pelzer

"Gehet hin und bloggt!"

Netzinkulturation im Zeitalter des Leitmediums Internet

nen, um so seine Informationen zum Gesamten beizutragen. Dies entspricht übrigens auch der Grundidee des Internets, wie sein Erfinder Tim Berners-Lee es sich vorstellte. Aus diesem Interesse, Seiten im Internet nicht nur lesen, sondern auch bearbeiten zu können, ist Wikipedia entstanden - ein Kunstwort aus Wiki und Enzyklo-pedia. Viele Firmen nutzen für ihre Fusionsprozesse im Change Management Wikis.


Ein weiteres, gern verwendetes Format im Internet ist das der Blogs. "Blog" ist die Abkürzung für Weblogbuch, was so viel wie ein Tagebuch im Internet bedeutet. Die neuesten Beiträge erscheinen dabei immer an oberster Stelle, und die Person des Autors steht oftmals im Vordergrund. In einem Blog geht es bewußt um subjektive und persönliche Einschätzungen.


Kirchliche Präsenz im Web 2.0


Auch im religiösen Bereich gibt es erste Nutzungsszenarien für Wikis, wie das Schönstätter Gruppenleiterwiki eindrücklich beweist6. Berühmtestes Beispiel für einen Blog im kirchlichen Raum in Deutschland ist der BBB - der Bischof Bode Blog des Osnabrücker Bischofs7. Innovative kirchliche Internetprojekte mit dem Schwerpunkt Jugend listet Matthias Sellmann in einem Artikel über Jugendpastoral auf8. Nicht nur US-Präsident Barack Obama baute in seinem Wahlkampf stark auf die Nutzung von Internetdiensten, um die junge Wählerschaft zu mobilisieren - inzwischen werden auch viele religiöse Gruppen in den sozialen Netzwerken gegründet, wie die im Jahr 2009 erschienene BruderhilfeStudie "Religiöse Sinnangebote im Web 2.0" der Goethe-Universität Frankfurt aufzeigt9.


Pastorale Mitarbeiter in der kirchlichen Jugendarbeit kommunizieren verstärkt über diese Online-Netzwerke mit ihren Jugendlichen, wenn es um Absprachen und Organisatorisches geht. Dennoch war es in vielen Bistümern jahrelange Praxis, den Zugang zu den Netzwerken auf den Bistumsrechnern zu sperren. Die Präsenz der Hauptamtlichen in den sozialen Netzwerken des Internets wurde nicht als wirkliche Arbeit, sondern als Freizeitbeschäftigung angesehen. Diese Einschätzung beginnt sich zunehmend zu wandeln. Das Internet, vor allem die sozialen Netzwerke, werden als das erkannt, was sie sind: die digitale Agora der Postmoderne, auf der Kirche präsent sein muß, wenn sie ihren Verkündigungsauftrag ernst nimmt.


Inzwischen gibt es bereits eine lange Liste von kirchlichen Verlautbarungen zum Thema Internet, die ihre Vorläufer in früheren Schreiben zum Verhältnis von Kirche und Medien haben. Der Grundgedanke läßt sich eindrucksvoll in dem im Jahr 2002 erschienenen Schreiben "Kirche und Internet" des Päpstlichen Rats für die sozialen Kommunikationsmittel erkennen10. Dieses Schreiben geht davon aus, daß es nicht reicht, das Internet bloß als einen neuen Distributionskanal für das Evangelium zu sehen:

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