Jürgen Pelzer

"Gehet hin und bloggt!"

Netzinkulturation im Zeitalter des Leitmediums Internet

gung nutzbringend in ein Gesamtkonzept zu integrieren. So ist etwa die Neugründung der Katholischen Arbeitsstelle für Missionarische Pastoral (KAMP) in Erfurt ein Schritt in Richtung auf die Vernetzung einzelner kirchlicher Internetakteure und Aktionen, vor allem im Bereich der Seelsorge13. Damit greift die KAMP die jahrelang erfolgreiche Arbeit der Katholischen Glaubensinformation (KGI) und der Katholischen Sozialethischen Arbeitsstelle (KSA) auf, setzt sie fort und sichert deren Erkenntnisse. Auch die Bertelsmann Stiftung hat mit der Idee einer eigenen katholischen Community (Projekttitel: Cathoo.net) einen Schritt in Richtung auf die Erstellung eines eigenständigen sozialen Netzwerks für die katholische Kirche in Deutschland getan und verhandelt mit ihr über eine mögliche Kooperation. Dieser Schritt, ein eigenes kirchliches Soziales Netzwerk anzubieten, wird jedoch genau abgewägt, da bereits die Internetstrategie des Vatikans aus mehreren Gründen auf die Nutzung bestehender Netzwerke wie Facebook setzte.


Eine häufig gemachte Erfahrung bei der Installation von eigenen Communities im Internet ist jene, daß sie schlichtweg nicht genutzt werden. Ihren Grund findet diese Erfahrung in der 90-1-9 Regel. Diese Regel für aktive Beteiligung im Internet besagt, daß 90 Prozent der Nutzer nur inaktive Nutzer sind, die keine Inhalte beitragen. Lediglich ein Prozent der Nutzer ist für die Inhalte und die Aktivität in den eigenen Communities verantwortlich, während hingegen neun Prozent ein wenig zur Aktivität und zu den Inhalten beitragen. Eine erste Testphase des Projekts cathoo.net mit Nutzern aus verschiedenen Bereichen der Kirche startete im Sommer 2010 und die Rückmeldungen werden bis Anfang 2011 ausgewertet sein.


Neben diesen großen Projekten sind es aber vor allem die vielen kleinen Initiativen an der Basis, auf der Ebene von Vereinen, Pfarreien und Einrichtungen, die gezielt auf die Menschen vor Ort wirken. Kirche war schon immer dadurch gekennzeichnet, daß sie aus vielen unterschiedlichen kleinen lokalen Gruppen besteht, und genau an dieser Stelle kommt das Internet ins Spiel: Anders als das Massenmedium Fernsehen ermöglicht das Internet die Unterstützung kleiner Gruppen in ihrer Kommunikation.


Da ist zum Beispiel die Meßdienergruppe, die in StudiVZ eine Seite zu ihrer Arbeit eingerichtet hat, oder die Firmgruppe, die einen gemeinsamen Blog als Tagebuch über ihre Firmzeit im Internet führt14. Oder etwa die Gemeinde, die eine eigene Gruppe in wer-kennt-wen unterhält. Es gibt den Pfarrer, der in XING die Mitglieder aus seinem Seelsorgebezirk anschreibt, um kirchenferne Moderne Performer in diesem Business-Netzwerk online zu erreichen - kurzum: ein enormes Spektrum an Potential und Ideen, über das die Kirche verfügt und das sie abfragen kann. Selbst in sehr neuartigen Formaten im Internet, etwa dreidimensionalen Welten à la Second Life, ist die Kirche vertreten - hier sogar in offizieller Art und Weise durch das Erzbistum Freiburg15. Da bieten in der Kirche Sankt Georgen Haupt- und Ehrenamtliche religiöse Angebote an. Zentrum ist dabei das zweimal wöchentlich abgehaltene kirchliche Abendgebet, die Komplet, sowie diverse Gesprächs-

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