Jürgen Pelzer

"Gehet hin und bloggt!"

Netzinkulturation im Zeitalter des Leitmediums Internet

effektiven Weise nutzen - nämlich als Anschlagtafel. Dies ist zwar nach wie vor nötig, reicht aber nicht mehr aus. Die kommunikativen Funktionen des Web 2.0 in Form von Blogs, Wikis und Sozialen Netzwerken verlangen Transparenz und Offenheit.


Theologisch gesehen kann die Kirche sehr offen mit dieser Freizügigkeit im Internet umgehen. Vertraut sie auf das Wort Gottes, so wird, mit Kardinal John Henry Newman gesprochen, die Wahrheit immer stärker sein. Anders ausgedrückt: Der Lügner wird sich selbst als Lügner entlarven. Im Bereich des Internets ist dieser Vorgang immer wieder feststellbar und wird unter dem Begriff der Selbstreinigungskraft der Online-Communities reflektiert. Natürlich darf dies keine naive Ignoranz gegenüber bestehenden Rechtslagen wie etwa dem Persönlichkeitsrecht oder gegenüber dem Fakt implizieren, daß einige Nutzer ("Trolle" genannt) nichts anderes tun, als im Internet beständig andere Nutzer zu provozieren. Es bedarf letzten Endes klarer Regeln (Netiquette), die auch mit Sanktionsgewalt durchgesetzt werden müssen. Doch auf einer viel grundlegenderen Ebene geht es darum, wie Kirche sich an dieses neue Medium heranwagt: aus der Perspektive der Skepsis oder mit Blick auf das Potential.


Eine Analogie findet sich im Bildungssystem. Goethe sagte einmal, daß unsere Wünsche die Vorboten der Fähigkeiten sind, die in uns schlummern16. Um als Lehrer einen Schüler zu fördern, muß der Pädagoge das Potential in ihm sehen und fördern - eine Frage des Blickwinkels. Neuere Lernforschungen zeigen, daß die Methode des Nürnberger Trichters nicht der Weise entspricht, wie Wissen als handlungsrelevante Kenntnis generiert wird. Dennoch ist der Nürnberger Trichter als die stupide Sender-Empfänger-Vermittlung von Wissen weiterhin oftmals im Einsatz. Ein Blick auf die Sitzordnung in vielen Schulklassen verdeutlicht dies: Einzelne Tische sind ausgerichtet auf den einen Inputgeber, den Lehrer.


Web 1.0-Denken in der kirchlichen Internetarbeit


Was entspricht dem Nürnberger Trichter in der kirchlichen Internetarbeit? Es ist die Nutzung der Web 2.0-Möglichkeiten im Web 1.0-Denken. Das bedeutet, daß alle Möglichkeiten unter dem Paradigma gesehen und genutzt werden, wie die Kirche als Sender Informationen an möglichst viele Empfänger übermitteln kann. Es ist das Gesetz der Quote, das aus den bestehenden Medien auf das Medium Internet angewandt wird. Doch unter diesem Blickwinkel erkennt man nicht das eigentliche Potential.


In Zeiten des Web 2.0 liegt der Fokus viel stärker darauf, bereits bestehende Initiativen und bereits aktive Personen zu unterstützen. In diesem neuen Paradigma wird der Meßdiener, der in SchuelerVZ eine Meßdienergruppe gründet, zum Protagonisten einer kirchlichen Internetstrategie. Es geht darum, jene Internetnutzer

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