Jürgen Pelzer

"Gehet hin und bloggt!"

Netzinkulturation im Zeitalter des Leitmediums Internet

zu unterstützen, die schon von sich aus die Möglichkeiten des Internets zur Glaubensverkündigung ("martyria") nutzen, und nicht - wie im alten Paradigma - etwa den Pfarrer oder andere Hauptamtliche dazu zu bringen, nun auch noch einen Blog anzulegen und zu twittern. Für viele Hauptamtliche ist die Situation sowieso schon mehr als fordernd: Die Aufgaben, vor allem im Bereich des Managements, nehmen zu, während die Ressourcen geringer werden; Burnout macht auch vor kirchlichen Türen nicht Halt. In dieser Situation des Gefordertseins ist wenig Motivation vorhanden, nun auch noch die vielfältigen Möglichkeiten des Internets kennenzulernen. Der nachhaltige Einsatz erfordert auch einen nicht unerheblichen Zeitaufwand. Dennoch sehen die meisten Priester und hauptamtlichen pastoralen Mitarbeiter den großen Mehrwert des Internets und die Notwendigkeit, daß Kirche in ihm präsent ist, wenn sie nicht den Kontakt mit der kommenden Generation verlieren will.


Wie kann diese Spannung gelöst werden? Im neuen Paradigma, in der neuen Sichtweise auf das Internet, liegt der Fokus nicht mehr so sehr auf der Kirche als Sender, sondern auf der Kirche als Unterstützer der Internetnutzer, die bereits aktiv sind. Diese Strategie knüpft direkt an die paulinische Charismenlehre an (vgl. 1 Kor 12,4-30). Das Internet, vor allem die sozialen Netzwerke, bieten die Möglichkeit, die verschiedenen Gaben des Geistes für den Dienst in der Gemeinde zu entdecken und die religiösen Protagonisten der jungen Generation zu unterstützen. Dies sind die Kommunikatoren und Mediatoren des Evangeliums in den verschiedenen Milieus im Medium Internet, diesem bedeutenden Ort der Sozialisation von Jugendlichen und jungen Erwachsenen17. Die Protagonisten sind die Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die religiöse Gruppen in den sozialen Netzwerken gründen und Gruppenmitglieder um sich scharen, die bloggen und auch Videos auf YouTube einstellen.


Die einfachste Art der Unterstützung, wie sie in der Internet-Jugendarbeit des Erzbistums Paderborn geplant ist, läßt sich in einem Wort ausdrücken: Verlinkung. Viele der religiösen Gruppen in den Netzwerken sind nicht mit der Webseite der Gemeinde oder der Einrichtungen verlinkt, um die herum sie sich im Internet gebildet haben.


Ein Beispiel: Die Pfarrgemeinde St. Hedwig (der Name ist frei erfunden) hat eine Webseite mit zahlreichen Informationen. Der Oberministrant hat aber schon längst in SchülerVZ eine Gruppe mit mittlerweile 16 Mitgliedern für die Ministranten von Sankt Hedwig angelegt. Die Jugendlichen sind dort präsent und besuchen kaum die Webseite der Gemeinde, unter anderem, weil sie ihnen einfach zu viel Text enthält. Beide Internetangebote, die Webseite und die Gruppe im sozialen Netzwerk SchuelerVZ, stehen isoliert nebeneinander, statt aufeinander hinzuweisen. Die Jugendlichen hingegen sind täglich in SchuelerVZ und werden dort auf die Ministrantengruppe aufmerksam. Die Initiatoren dieser Gruppen sollten Wertschätzung und Unterstützung erfahren und in die Öffentlichkeitsar-

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