Klenk, Christian: Zustand und Zukunft katholischer Medien.

Prämissen, Probleme, Prognosen.

Münster: LIT 2013. 414 S. (Religion - Medien - Kommunikation. 6.) Kt. 39,90.


Unter dem Titel "Zustand und Zukunft katholischer Medien" veröffentlicht Christian Klenk seine an der Katholischen Universität Eichstätt vorgelegte Dissertation im Fach Kommunikationswissenschaft. Der emeritierte Lehrstuhlinhaber, Walter Hömberg, stellt der Publikation ein wertschätzendes Vorwort voran ("eine Fülle von Anregungen, Impulsen und Ideen"), in dem zugleich Kritik ("Transparenz ist im kirchlichen Medienwesen eine selten geübte Tugend") als auch deutliche Forderungen ("Auch die Akteure im untersuchten Bereich müssen Prioritäten setzen") formuliert sind.


Der Verfasser erarbeitete seine Forschungsarbeit auf der Basis einer "Delphi- Studie", zu deren Teilnahme auch der Rezensent eingeladen war. Die ausführliche und in zwei einleitenden Kapiteln sehr transparente methodische Erläuterung dieses Instruments der Expertenbefragung verleiht der Arbeit ein besonderes Gewicht von Glaubwürdigkeit und Expertise. Der den einzelnen Kapiteln jeweils vorangestellte Rückgriff auf markante Zitate der Pastoralinstruktion "Communio et Progressio" von 1971 dient gleichermaßen der aktualisierten Einbettung in kirchlich- theologische Zusammenhänge als auch der Rezeption dieses bis heute maßgeblichen Dokuments des im Geist des Zweiten Vatikanischen Konzils erneuerten Selbstverständnisses der katholischen Kirche hinsichtlich des Bereichs der Medien.


Der eigentliche Forschungsbereich der Studie referiert die "Prämissen und Positionen" katholischer Medienarbeit (Kap. 3), untersucht die Printmedien im nationalen, diözesanen und lokalen Bereich (Kap. 4), stellt sich einer kritischen Analyse des öffentlich- rechtlichen und privaten Engagements im Bereich Hörfunk und Fernsehen (Kap. 5), beschreibt die speziellen Herausforderungen, die sich aus der rasanten Entwicklung des Internet ergeben (Kap. 6). Ein eigenes Kapitel wird der Katholischen Nachrichtenagentur (KNA) gewidmet, "die innerhalb des Medienportfolios insofern eine Sonderrolle einnimmt, da sie Dienstleisterin für Medien ist und sich mit ihrer Berichterstattung nicht direkt an die Rezipienten richtet." (Kap. 7)


Im auswertenden Teil fasst der Autor die Ergebnisse der Studie zusammen, unter besonderer Berücksichtigung zukunftsfähiger Konzentrationsszenarien und Priorisierungsstrategien, nicht zuletzt unter denkbaren ökonomischen Gesichtspunkten und Sachzwängen. Spannend sind die für das Jahr 2020 prognostizierten Szenarien zur Katholischen Medienlandschaft (Kap. 8).


Angesichts der bemerkenswert kontroversen medienstrategischen Diskussion macht Klenk im Schlussteil (Kap. 9) seiner Studie eine Reihe von Polaritäten bzw. "Dualismen" aus, in denen sich die bekannten Positionen des medienpolitischen Diskurses in Deutschland widerspiegeln. Die Lektüre dieses Ergebnisteiles (vgl. 372 ff.) bietet für die vorab am Resümee der Studie interessierten Lesern eine aktuelle Anamnese und Diagnose des insgesamt bemerkenswerten, in Teilen auch besorgniserregenden Befundes. Mit gutem Recht zitiert der Autor in diesem Zusammenhang die Ziffer 184 von "Communio et progressio": "Die Kirche versichert allen Wissenschaftlern, die sich mit den Gegenständen der Sozialer Kommunikation befassen, daß sie ihre Forschungsergebnisse mit großer Aufmerksamkeit verfolgen und diese […] auswerten und anwenden wird."


Genau dies ist der in Anliegen und Umfang pionierartigen Arbeit von Christan Klenk zu wünschen, die sich - zusammen mit einem umfangreichen Literatur- und Quellenverzeichnis - als sorgfältig erarbeitete und ausgewertete Datensammlung und ideenreiche Analyse empfiehlt, einschließlich des journalistischen Plädoyers zu einer "glaubwürdigen katholischen Publizistik", mit dem der Intendant des Deutschlandradio, Willi Steul, abschließend zitiert wird. Wer sich über den Status quaestionis der innerkirchlichen und auch säkularen Mediendiskussion gesichert informieren will, sollte zu dieser Lektüre greifen. Für eine Annäherung über das Internet sei auf die Adresse ‹www.delphi-katholische-medien.de› verwiesen.


Wie der Autor eingangs anmerkt, wurde das Manuskript seiner Dissertation im Februar 2013 abgeschlossen. Er konnte deswegen die Rücktrittsankündigung von Papst Benedikt noch erwähnen und mit dem Ende 2012 erfolgten Twitterauftritt des Papstes in Verbindung bringen. Das mit dem Namen Franziskus konnotierte Ereignis, das für die katholische Kirche hierzulande eine Positionierung "inter pares" mit sich bringt, würde eine Erweiterung des Buchtitels mit dem Zusatz "in Deutschland" nahelegen. Diese universalkirchliche "Relativierung" soll freilich den uneingeschränkt empfehlenden Tenor dieser Rezension nicht schmälern.

Wolfgang Sauer


  • vorige Seite
  • nächste Seite
Probeabo bestellen Newsletter bestellen

Unsere Beiträge über das wichtigste Ereignis der katholischen Kirche im 20. Jahrhundert. Mehr...